Leo
Trotzki: Warum so viele Zentren? Warum gehorchen alle Zentren Trotzki? [eigene Übersetzung nach dem russischen Text, verglichen mit den englischen und französischen Übersetzungen] Im August 1936 erfuhr die Welt von der Existenz eines „vereinigten Zentrums" der Sinowjewisten und Trotzkisten, die alle möglichen und unmöglichen Verbrechen leiteten. Im Januar 1937 erschien ein „paralleles" oder rein „trotzkistisches Zentrum" (Pjatakow-Radek) auf der Bühne. Um das Erscheinen dieses neuen Zentrums zu rechtfertigen, erklärte Radek, der Chefbotschafter des Anklägers Wyschinski, Trotzki habe den Sinowjewisten nicht genug vertraut und wollte deshalb sein eigenes Zentrum haben. Diese Erklärung war mit weißem Faden genäht. Erstens waren im früheren Sinowjew-Kamenew-Zentrum frühere Trotzkisten größeren Kalibers als Radek und Pjatakow zu finden. Zweitens war im sogenannten „trotzkistischen" Zentrum Sokolnikow, ein früherer Botschafter in England, der nie eine Beziehung zu den Trotzkisten hatte. Aber mäkeln wir nicht an solchen „Kleinigkeiten" herum. Nehmen wir an, dass das parallele „trotzkistische" Zentrum wirklich für die wichtigsten konspirativen Fälle geschaffen wurde und dass Sokolnikow durch Zufall in dieses Zentrum gelangt ist. Aber im März 1938 erfuhr die Welt von der Existenz des dritten „trotzkistisch-rechten Zentrums", und es stellt sich plötzlich heraus, dass genau dieses Zentrum, von dem die beiden vorhergehenden Zentren nichts wussten, die mächtigste und konspirativste Organisation war. Es sollte auch hinzugefügt werden, dass die Mitglieder dieser drei unabhängigen Zentren einander 20-30 Jahre lang kannten, alle im selben Moskau lebten und im Allgemeinen die gleiche Arbeit verrichteten: Terrorismus, Spionage, Sabotage, Defätismus und Zerstückelung Russlands. Besonders haben alle drei Zentren nacheinander Kirow getötet. Aber hier gibt es eine Schwierigkeit. Wenn ich ein trotzkistisches Zentrum (Radek-Pjatakow) gründete, weil ich Sinowjew-Kamenew nicht genug vertraute, wie konnte ich Rykow und Bucharin vertrauen, die bis zum Tag meiner Ausweisung aus der UdSSR eng mit Stalin zusammenarbeiteten und den ganzen Kampf gegen den Trotzkismus einschließlich meiner Verhaftung und Ausweisung führten? Es stellt sich heraus, dass ich zu der Zeit, als ich in Moskau lebte und Mitglied des Politbüros und der Regierung war, Bucharin-Rykow nicht überzeugen konnte, was meine Ansichten betraf. Sie haben gegen mich gestimmt, auf Massenversammlungen feindselige Reden gegen mich gehalten. Bucharin schrieb mehrere hundert ungestüme Artikel gegen mich. Beide rechten Führer stimmten für meinen Ausschluss aus der Partei, für meine Verbannung nach Asien und dann für meine Ausweisung aus der UdSSR. Aber als ich in die Türkei, dann nach Frankreich, nach Norwegen und Mexiko kam und von Moskau Tausende von Kilometern getrennt war, da begannen Rykow und Bucharin, wie alle anderen, die sich der neuesten Prozesse beschuldigt hatten, nicht nur in allem mit mir übereinzustimmen, sondern auch entschieden, bedingungslos alle meine „Anweisungen" auszuführen. Mitglieder der Regierung, Botschafter, Generäle der Roten Armee wurden ausländische Spione auf „Anweisungen Trotzkis". Genau wie Rykow, der ehemalige Regierungschef, und Bucharin, der ehemalige Chef der Komintern. Die Angeklagten geben keine weiteren Erklärungen für ihre monströsen und absurden „Verbrechen"! Rykow und Bucharin versuchten vor Gericht, ihre unmittelbare Verantwortung für den Mord an Kirow abzulehnen, der, wie bereits gesagt, von allen Oppositionsgruppen der UdSSR der Reihe nach getötet wurde. Aber Heinrich Jagoda, der ehemalige Chef der GPU, der, bevor er sich auf die Anklagebank setzte, mehrere hundert Menschen erschossen hatte, weil sie Kirow getötet hatten, erklärte sofort, dass Rykow und Bucharin gelogen hätten. „Sie, genau wie ich", sagte Jagoda, „haben den Mord an Kirow zuerst wirklich bekämpft. Aber die Anweisungen kamen von Trotzki, und wir gehorchten." Buchstäblich taub wird man vor Überraschung, indem man diese Worte des gestrigen Inquisitors liest. Die Aussagen über die Allmacht meiner „Anweisungen" klang in den Mündern von Pjatakow und Radek ziemlich absurd. Aber diese waren zumindest vor 11 Jahren meine Gleichgesinnten. Es stimmt, dass sie mich verleugneten und zu meinen erbitterten Feinden wurden. Aber der Ankläger Wyschinski argumentiert, dass diese Feindschaft „erfunden" sei, dass die ehemaligen Trotzkisten tatsächlich von einer warmen persönlichen Hingabe an Trotzki geleitet wurden. Es stimmt, es ist unklar, wie und warum diese feurige Ergebenheit im Gefängnis so schnell abgekühlt war und Pjatakow und Radek erlaubte, mich vor Gericht in den dunkelsten Farben, die auf der Palette der Natur existieren, darzustellen. Aber lassen wir das alles beiseite. Nehmen wir an, dass die alten Bande mir wirklich eine hypnotische Wirkung über die Meere und Ozeane hinweg auf meine ehemaligen Kollegen verschafften. Aber was ist mit Rykow und Bucharin? Wie und wodurch erklärt man die Tatsache, dass sie sich in gehorsame Trotzki-Schüler verwandelten, nachdem sie mich aus der UdSSR vertrieben hatten? Besonders mysteriös bleibt jedoch die Frage von Jagoda. Dieser Herr war, wie man sieht, gegen den Mord an Kirow, kapitulierte aber sofort vor meiner „Anweisung". Seit wann hat Jagoda gelernt, meinen Anweisungen zu folgen? Als Chef der GPU war er direkt verantwortlich für alle Repressionen gegen die Opposition: Er hat mein Sekretariat besiegt, meine beiden Sekretäre zum Selbstmord getrieben, meine Schüler und jungen Freunde erschossen: Bljumkin, Silow, Rabinowitsch, brachte mehrere Mitglieder meiner Familie zum vorzeitigen Tod, verhaftet und deportierte mich, bereitete den Sinowjew-Kamenew-Prozess vor, beaufsichtigte alle Fälschungen und Verbrechen gegen die Opposition. Jetzt stellt sich heraus, dass er all diese Kunststücke nur zur „Tarnung" gemacht hat. Tatsächlich war er ein heimlicher Trotzkist und führte einfach meine „Anweisungen" aus. Nein, es ist zu viel. Selbst allesfressende „Freunde der UdSSR" werden das nicht schlucken. Sie schluckten den Fall Sinowjew-Kamenew, sie schluckten den Fall Pjatakow-Radek, aber ich habe große Angst, dass sie sich an der Jagoda-Sache verschlucken werden. 6. März 1938, 17 Uhr Coyoacán |
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