Leo Trotzki: US- und europäische Arbeiterbewegungen: Ein Vergleich 31. Mai 1938 [Eigene Übersetzung nach The Transitional Program for Socialist Revolution, New York ³1977, S. 208-216, verglichen mit der französischen Übersetzung] Frage: In den Reihen unserer Partei scheint die Frage, die in Bezug auf die Annahme des Programms der Übergangsforderungen am umstrittensten ist, die des Umgangs mit der Labor Party in den Vereinigten Staaten zu sein. Einige Genossen behaupten, dass es falsch sei, die Gründung einer Labor Party zu befürworten, da es keine Beweise dafür gebe, dass es ein weit verbreitetes Gefühl für eine solche Partei gebe; wenn es eine solche Partei im Prozess der Formierung gäbe oder sogar ein weit verbreitetes Gefühl, dann würden wir dem mit einem Programm begegnen, das dieser Bewegung einen revolutionären Inhalt geben würde – aber in Anbetracht des Fehlens solcher objektiver Faktoren sei dieser Teil der These opportunistisch. Könnten Sie diesen Punkt näher erläutern? Trotzki: Ich halte es für notwendig, uns an die elementarsten Fakten aus der Geschichte der Entwicklung der Arbeiterbewegung im Allgemeinen und der Gewerkschaften im Besonderen zu erinnern. In dieser Hinsicht finden wir verschiedene Entwicklungstypen der Arbeiterklasse in verschiedenen Ländern. Jedes Land hat eine bestimmte Entwicklungstyp, aber wir klassifizieren sie im Allgemeinen. In1 Österreich und besonders in Russland begann die Arbeiterbewegung als politische Bewegung, als Parteibewegung. Das war der erste Schritt. Die Sozialdemokratie hoffte in ihrer ersten Phase, dass die sozialistische Umgestaltung der Gesellschaft nahe sei, aber es geschah, dass der Kapitalismus stark genug war, um eine Zeitlang zu bestehen. Es gab eine lange Wachstumsperiode, und die Sozialdemokratie war gezwungen, Gewerkschaften zu organisieren. In Ländern wie Deutschland, Österreich und vor allem Russland, wo Gewerkschaften unbekannt waren, wurden sie von einer politischen Partei, der Sozialdemokratie, initiiert, aufgebaut und geleitet. Ein andere Typ der Entwicklung zeigt sich in den lateinischen Ländern – in Frankreich und vor allem in Spanien. Hier sind die Parteibewegung und die Gewerkschaftsbewegung nahezu unabhängig voneinander und unter verschiedenen Bannern – bis zu einem gewissen Grad sogar gegensätzlich zueinander. Die Partei ist eine parlamentarische Maschine. Die Gewerkschaften stehen bis zu einem gewissen Grade in Frankreich – mehr in Spanien – unter der Führung von Anarchisten. Der dritte Typ wird von Großbritannien, den Vereinigten Staaten und mehr oder weniger von den Dominions geliefert. England ist das klassische Land der Gewerkschaften2. Sie begannen am Ende des 18. Jahrhunderts, vor der französischen Revolution und während der sogenannten industriellen Revolution, Gewerkschaften aufzubauen. (In den Vereinigten Staaten, während des Aufstiegs des Systems der verarbeitenden Industrie3.) In England hatte die Arbeiterklasse keine unabhängige Partei. Die Gewerkschaften waren die Organisationen der Arbeiterklasse – in Wirklichkeit die Organisation der Arbeiteraristokraten, der oberen Schichten. In England gab es ein aristokratisches Proletariat, zumindest in seinen oberen Schichten, weil die britische Bourgeoisie, die fast eine Monopolstellung auf dem Weltmarkt innehatte, einen kleinen Teil des Reichtums an die Arbeiterklasse abgeben und so einen Teil des Volkseinkommens absorbieren konnte. Die Gewerkschaften waren ausreichend, um das aus der Bourgeoisie herauszuholen. Erst nach hundert Jahren begannen die Gewerkschaften, eine politische Partei aufzubauen. Das steht im krassen Gegensatz zu Deutschland oder Österreich. Dort weckte die Partei die Arbeiterklasse und baute die Gewerkschaften auf. In England waren die Gewerkschaften nach Jahrhunderten der Existenz und des Kampfes gezwungen, eine politische Partei aufzubauen. Was waren die Gründe für diese Veränderung? Es war auf den völligen Niedergang des englischen Kapitalismus zurückzuführen, der sehr stark begann. Die englische Partei ist erst ein paar Jahrzehnte alt und gelangte vor allem nach dem Weltkrieg in den Vordergrund. Was ist der Grund für diese Änderung? Es ist bekannt, dass dies auf die Beseitigung der Monopolkontrolle Englands über den Weltmarkt zurückzuführen ist. Es begann in den achtziger Jahren des 19. Jahrhunderts mit der Konkurrenz Deutschlands und der Vereinigten Staaten. Die Bourgeoisie verlor ihre Fähigkeit, den führenden Schichten des Proletariats eine privilegierte Stellung einzuräumen. Die Gewerkschaften verloren die Möglichkeit, die Situation der Arbeiter zu verbessern, und sie wurden auf den Weg des politischen Handelns gedrängt, weil politisches Handeln die Verallgemeinerung wirtschaftlichen Handelns ist. Politisches Handeln verallgemeinert die Bedürfnisse der Arbeiter und richtet sich nicht an Teile der Bourgeoisie, sondern an die gesamte Bourgeoisie, die im Staat organisiert ist. Jetzt in den Vereinigten Staaten können wir sagen, dass die charakteristischen Merkmale der englischen Entwicklung sich in noch konzentrierterer Form darstellen, in einem kürzeren Zeitraum, weil die gesamte Geschichte der Vereinigten Staaten kürzer ist. Praktisch begann die Entwicklung der Gewerkschaften in den Vereinigten Staaten nach dem Bürgerkrieg, aber diese Gewerkschaften waren sogar4 im Vergleich zu den Gewerkschaften Großbritanniens sehr rückständig. In hohem Maße waren sie gemischte Gewerkschaften von Arbeitgebern und Arbeitern, nicht kämpfende, militante Gewerkschaften. Sie waren partikular und winzig. Sie basierten auf dem handwerklichen System, nicht nach Branchen, und wir sehen, dass sich die echten Gewerkschaften erst in den letzten zwei oder drei Jahren in den Vereinigten Staaten entwickelt haben. Diese neue Bewegung ist der CIO. Was ist der Grund für das Erscheinen des CIO? Es ist der Zerfall des amerikanischen Kapitalismus. In Großbritannien zwang der Beginn des Zerfalls des kapitalistischen Systems die bestehenden Gewerkschaften, sich zu einer politischen Partei zusammenzuschließen. In den Vereinigten Staaten hat das gleiche Phänomen – der Beginn des Niedergangs – nur die Branchengewerkschaften hervorgebracht; aber diese Gewerkschaften tauchten gerade rechtzeitig auf, um dem neuen Kapitel des Niedergangs des Kapitalismus zu begegnen, oder – richtiger gesagt – wir können sagen, dass die erste Krise von 1929-33 den Anstoß gab und in der Organisation des CIO endete. Doch kaum organisiert, trifft der CIO auf die zweite Krise 1937-38, die sich fortsetzt und vertieft. Was bedeutet diese Tatsache? Dass es in den Vereinigten Staaten eine lange Zeit vor der Gründung von Gewerkschaften gab, aber jetzt, da es echte Gewerkschaften gibt, müssen sie die gleiche Entwicklung nehmen wie die englischen Gewerkschaften. Das heißt, dass sie aufgrund des abnehmenden Kapitalismus gezwungen sind, sich dem politischen Handeln zuzuwenden. Ich glaube, das ist die wichtigste Tatsache der ganzen Sache. Die Frage lautet: „Es gibt keine Beweise, die auf eine weit verbreitete Stimmung für eine solche Partei hindeuten." Sie werden sich erinnern, dass es bei der Diskussion dieser Frage mit anderen Genossen einige Meinungsverschiedenheiten in dieser Frage gab. Ich kann nicht beurteilen, ob eine Stimmung für eine Arbeiterpartei besteht oder nicht, weil ich keine persönlichen Beobachtungen oder Eindrücke habe; aber ich finde es nicht entscheidend, inwieweit die Gewerkschaftsführer oder die Basis bereit oder geneigt sind, eine politische Partei aufzubauen. Es ist sehr schwierig, objektive Informationen zu erhalten. Wir haben keine Maschine, um ein Referendum zu machen. Wir können die Stimmung nur durch die Aktion messen, wenn die Losung auf die Tagesordnung gesetzt wird. Aber was wir sagen können, ist, dass die objektive Lage absolut entscheidend ist. Die Gewerkschaften als Gewerkschaften können nur eine defensive Tätigkeit ausüben, wobei sie Mitglieder verlieren und immer schwächer werden, wenn sich die Krise verschärft und immer mehr Arbeitslose schafft. Die Kasse wird immer ärmer, die Aufgaben werden immer größer, während ihre Mittel immer kleiner werden. Es ist eine Tatsache; wir können sie nicht ändern. Die Gewerkschaftsbürokratie wird immer desorientierter, die Basis wird immer unzufriedener, und diese Unzufriedenheit wird immer größer, je höher ihre Hoffnungen in den CIO waren und vor allem angesichts des beispiellosen Wachstums des CIO – in zwei oder drei Jahren vier Millionen neue Menschen im Feld5, die mit objektiven Hindernissen konfrontiert sind, die von den Gewerkschaften nicht beseitigt werden können. In dieser Lage müssen wir eine Antwort geben. Wenn die Gewerkschaftsführer nicht bereit sind, politisch zu handeln, müssen wir sie auffordern, eine neue politische Orientierung zu entwickeln. Wenn sie sich weigern, prangern wir sie an. Das ist die objektive Lage. Ich sage hier, was ich über das gesamte Programm der Übergangsforderungen gesagt habe. Das Problem ist nicht die Stimmung der Massen, sondern die objektive Lage, und unsere Aufgabe ist es, das rückständige Material der Massen mit den Aufgaben zu konfrontieren, die durch objektive Fakten und nicht durch Psychologie bestimmt werden. Das Gleiche gilt für diese spezielle Frage zur Labor Party. Wenn der Klassenkampf nicht zerschlagen und durch Demoralisierung ersetzt werden soll, dann muss die Bewegung einen neuen Kanal finden, und dieser Kanal ist politisch. Das ist das grundlegende Argument für diese Losung. Wir beanspruchen, Marxismus oder wissenschaftlichen Sozialismus zu haben6. Was bedeutet „wissenschaftlicher Sozialismus" in der Realität? Es bedeutet, dass die Partei, die diese Sozialwissenschaft vertritt, wie jede Wissenschaft nicht von subjektiven Wünschen, Tendenzen oder Stimmungen, sondern von objektiven Fakten, von der materiellen Lage der verschiedenen Klassen und ihren Beziehungen ausgeht. Nur durch diese Methode können wir der objektiven Lage angemessene Forderungen aufstellen und erst danach können wir diese Forderungen und Losungen an die gegebene Mentalität der Massen anpassen. Aber mit dieser Mentalität als der grundlegende Tatsache zu beginnen, würde nicht eine wissenschaftliche, sondern eine konjunkturelle, demagogische oder abenteuerliche Politik bedeuten. Man kann sich fragen, warum wir diese Entwicklung vor fünf, sechs, sieben Jahren nicht vorausgesehen haben. Warum haben wir in der vergangenen Zeit erklärt, dass wir nicht willens waren, für diese Losung der Labor Party zu kämpfen? Die Erklärung ist sehr einfach. Wir Marxisten, die Initiatoren der amerikanischen Bewegung für die Vierte Internationale, waren uns absolut sicher, dass der Weltkapitalismus in eine Phase des Niedergangs eingetreten war. Das ist die Zeit, in der die Arbeiterklasse objektiv geschult wird und sich subjektiv bewegt und sich auf die soziale Revolution vorbereitet. Die Richtung war in den Vereinigten Staaten die gleiche, aber die Frage der Richtung ist nicht ausreichend. Die andere Frage ist die Geschwindigkeit ihrer Entwicklung; und in dieser Hinsicht haben einige von uns, und ich selbst unter ihnen7, angesichts der Stärke des amerikanischen Kapitalismus gedacht, dass die Fähigkeit des amerikanischen Kapitalismus, den destruktiven inneren Widersprüchen zu widerstehen, größer sein würde und dass der amerikanische Kapitalismus für eine gewisse Zeit den Niedergang des europäischen Kapitals nutzen könnte, um vor seinem eigenen Niedergang eine Periode des Wohlstands zu durchmessen8. Eine wie lange Periode? Zehn bis dreißig Jahre könnte man sagen? Jedenfalls habe ich persönlich nicht gesehen, dass diese scharfe Krise, oder eine Reihe von Krisen, in der nächsten Periode beginnen und immer tiefer und tiefer werden würde. Deshalb war ich vor acht Jahren, als ich diese Frage mit amerikanischen Genossen diskutierte, sehr vorsichtig. Ich war sehr vorsichtig in meiner Prognose. Meine Meinung war, dass wir nicht vorhersehen könnten, wann die amerikanischen Gewerkschaften in eine Zeit kommen würden, in der sie zu politischem Handeln gezwungen würden. Wenn diese kritische Periode in zehn bis fünfzehn Jahren beginnt, dann könnten wir, die revolutionäre Organisation, eine große Macht werden, die die Gewerkschaften direkt beeinflusst und zur führenden Kraft wird. Deshalb wäre es absolut pedantisch, abstrakt, künstlich gewesen, die Notwendigkeit der Labor Party 1930 zu verkünden, und diese abstrakte Losung wäre ein Hindernis für unsere eigene Partei gewesen. Das war am Anfang der vorangegangenen Krise. Dann9, dass dieser Periode eine neue Krise folgen würde, eine noch tiefere, mit einem fünf- bis zehnmal tiefer greifenden Einfluss, weil es eine Wiederholung ist! Jetzt müssen wir nicht mit unserer Prognose von gestern rechnen, sondern mit der Lage von heute. Der amerikanische Kapitalismus ist sehr stark, aber seine Widersprüche sind stärker als der Kapitalismus selbst. Der Rückgang kam mit amerikanischer Geschwindigkeit10, und dies schuf eine neue Lage für die neuen Gewerkschaften, den CIO noch mehr als die AFL. In dieser Lage ist es für den CIO schlimmer als für die AFL, weil die AFL aufgrund ihrer aristokratischen Basis widerstandsfähiger ist. Wir müssen unser Programm ändern, weil die objektive Lage völlig anders ist als unsere frühere Prognose. Was bedeutet das? Dass wir sicher sind, dass die Arbeiterklasse, die Gewerkschaften, die Losung der Labor Party unterstützen werden? Nein, wir sind nicht sicher, ob die Arbeiter die Losung der Labor Party unterstützen werden. Wenn wir den Kampf beginnen, können wir nicht sicher sein, dass wir siegreich sind. Wir können nur sagen, dass unsere Losung der objektiven Lage entspricht – die besten Elemente werden verstehen, und die rückständigsten Elemente, die nicht verstehen, werden kompromittiert. In Minneapolis können wir den Gewerkschaften nicht sagen: „Ihr solltet der Socialist Workers Party beitreten." Es wäre sogar in Minneapolis ein Witz. Warum? Weil der Niedergang des Kapitalismus sich zehn, hundert Mal schneller als unsere Partei entwickelt. Es ist eine neue Diskrepanz. Die Notwendigkeit einer politischen Partei für die Arbeiter ist durch die objektiven Bedingungen gegeben, aber unsere Partei ist zu klein, mit zu wenig Autorität, um die Arbeiter in ihren eigenen Reihen zu organisieren. Deshalb müssen wir den Arbeitern, den Massen, sagen, dass Sie eine Partei haben müssen. Aber wir können nicht sofort zu diesen Massen sagen, ihr müsst unserer Partei beitreten. In einer Massenversammlung würden sich fünfhundert über die Notwendigkeit einer Arbeiterpartei einigen, nur fünf stimmen zu, unserer Partei beizutreten, was zeigt, dass der Losung einer Arbeiterpartei eine agitatorische Losung ist. Die zweite Losung ist für die Fortgeschrittenen11. Sollen wir beide Losungen verwenden oder eine? Ich sage beide. Die erste, unabhängige Labor Party, bereitet die Arena für unsere Partei vor. Die erste Losung bereitet die Arbeiter darauf vor vorzurücken und hilft ihnen und bereitet den Weg für unsere Partei. Das ist der Sinn unserer Losung. Wir sagen, dass wir mit dieser abstrakten Losung, der selbst heute nicht so abstrakt ist wie vor zehn Jahren, nicht zufrieden sein werden, weil die objektive Situation anders ist. Sie ist nicht konkret genug. Wir müssen den Arbeitern zeigen, was diese Partei sein sollte: eine unabhängige Partei, nicht für Roosevelt oder La Follette, eine Maschine für die Arbeiter selbst. Deshalb muss sie bei den Wahlen eigene Kandidaten haben. Dann müssen wir unsere Übergangslosungen einführen, 12nicht alle auf einmal, sondern je nach Gelegenheit erst die eine und dann die andere. Deshalb sehe ich absolut keine Rechtfertigung, diese Losung nicht zu akzeptieren. Ich sehe nur einen psychologischen Grund. Unsere Genossen wollten im Kampf gegen die Lovestoneisten unsere eigene Partei und nicht diese abstrakte Partei. Jetzt ist es unangenehm. Natürlich werden die Stalinisten sagen, dass wir Faschisten seien, etc. Aber es ist keine prinzipielle Frage, es ist eine taktische Frage. Für Lovestone wird es scheinen, dass wir das Gesicht vor den Lovestoneisten verlieren, aber das ist nichts. Wir orientieren uns nicht an Lovestone, sondern an den Bedürfnissen der Arbeiterklasse. Ich glaube, dass es selbst aus der Sicht unserer Konkurrenz mit den Lovestoneisten ein Plus und kein Minus ist13. Bei einem Treffen würde ich gegen einen Lovestoneisten erklären, was unsere Position war und warum wir sie geändert haben. „Damals habt ihr Lovestoneisten uns angegriffen. Gut. In dieser Frage, die euch so wichtig war, haben wir unsere Meinung geändert. Was habt ihr gegen die Vierte Internationale?" Ich bin sicher, dass wir auf diese Weise eine Spaltung unter den Lovestoneisten vorbereiten werden. In diesem Sinne sehe ich keine Hindernisse. Bevor ich schließe – eine Korrektur in der Formulierung der Frage: Der Vorschlag der Labor Party ist kein Teil des Programms der Übergangsforderungen, sondern ein spezieller Antrag. Frage: Befürwortet man in einer Gewerkschaft eine Labor Party, stimmt man für sie? Trotzki: Warum nicht? Im Falle einer Gewerkschaft, wo die Frage aufkommt, würde ich das Wort ergreifen und sagen, dass die Notwendigkeit einer Labor Party durch alle Ereignisse absolut bewiesen ist. Es ist bewiesen, dass wirtschaftliches Handeln nicht ausreicht. Wir brauchen politisches Handeln. In einer Gewerkschaft würde ich sagen, was zählt, ist der Inhalt der Labor Party – deshalb behalte ich mir vor, etwas über das Programm zu sagen – aber ich werde dafür stimmen. Frage: Die Arbeiter scheinen absolut apathisch gegenüber einer Labor Party zu sein; ihre Führer tun nichts, und die Stalinisten sind für Roosevelt. Trotzki: Aber das ist charakteristisch für einen bestimmten Zeitraum, wenn es kein Programm gibt, wenn sie den neuen Weg nicht sehen. Es ist absolut notwendig, diese Apathie zu überwinden. Es ist absolut notwendig, eine neue Losung zu geben. Frage: Einige Genossen haben sogar Zahlen gesammelt, die zu belegen scheinen, dass die Labor-Party-Bewegung unter den Arbeitern tatsächlich rückläufig ist. Trotzki: Es gibt eine Hauptlinie und dann kleine Schwankungen, wie zum Beispiel die Stimmungen im CIO. Erst Aggressivität. Jetzt in der Krise erscheint der CIO den Kapitalisten tausendmal gefährlicher als zuvor, aber die Führer haben Angst, mit Roosevelt zu brechen. Die Massen warten. Sie sind desorientiert, die Arbeitslosigkeit steigt. Es ist möglich zu beweisen, dass die Stimmung seit einem Jahr zurückgegangen ist. Möglicherweise kommt der stalinistische Einfluss hinzu, aber das ist nur eine sekundäre Schwankung, und es ist sehr gefährlich, sich auf die sekundären Schwankungen zu stützen, da in kurzer Zeit die große Bewegung zwingender wird und diese objektive Notwendigkeit ihren subjektiven Ausdruck in den Köpfen der Arbeiter finden wird, besonders wenn wir ihnen helfen. Die Partei ist ein historisches Instrument, um den Arbeitern zu helfen. Frage: Einige der Mitglieder, die aus der Socialist Party kamen, beschweren sich, dass sie damals für eine Labor Party waren und in der Auseinandersetzung mit den Trotzkisten davon überzeugt wurden, dass sie falsch lagen. Jetzt müssen sie zurückschalten. Trotzki: Ja, es ist eine pädagogische Frage, aber es ist eine gute Schule für die Genossen. Jetzt können sie die dialektische Entwicklung besser sehen als früher.
1In der französischen Übersetzung eingefügt „Deutschland, in“ 2In der französischen Übersetzung eingefügt „der trade unions“ 3In der französischen Übersetzung: „System der Manufakturen“ 4Fehlt in der französischen Übersetzung 5In der französischen Übersetzung: „Kampffeld“ 6In der französischen Übersetzung: „dass der Marxismus wissenschaftlicher Sozialismus ist“ 7In der französischen Übersetzung: „in erster Linie“ statt „unter ihnen“ 8In der französischen Übersetzung: „sich zu sichern“ 9In der französischen Übersetzung eingefügt: „zu denken“ 10In der französischen Übersetzung: „den Entwicklungsrhythmus kam mit einem amerikanischen Rhythmus“ 11In der französischen Übersetzung: „Avantgarde“ 12In der französischen Übersetzung der Rest des Satzes: „eine nach der anderen“ 13In der französischen Übersetzung: „eine positive und eine negative Seite hat“ |
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