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Leo Trotzki 19380528 Stalin und Mexiko

Leo Trotzki: Stalin und Mexiko

Die Mission von Lombardo Toledano

[eigene Übersetzung nach der französischen Übersetzung. Der spanische Text ist leider eine Rückübersetzung aus dem Französischen („Traducido del francés de la versión publicada en Oeuvres, Tomo 17, pág. 265, editada por el Instituto León Trotsky de Francia“). Der Text erschien mit Diego Rivera als Verfasser, aber die Herausgeber gehen davon aus, dass er von Trotzki stammte und wegen seinem Status als Flüchtling in Mexiko unter dem Namen Riveras erschien]

Der Titel dieses Artikels mag überraschend und sogar ungerechtfertigt erscheinen: Es gibt keine diplomatischen Beziehungen zwischen der UdSSR und Mexiko. Es scheint also, dass Stalin keine besondere Politik gegenüber Mexiko haben kann. Eine solche Schlussfolgerung wäre jedoch vollkommen oberflächlich. Stalin hat – und wie! – eine Politik gegenüber Mexiko, besonders seit die Regierung von Cárdenas beschlossen hat, Trotzki Gastfreundschaft zu gewähren. Erinnern wir uns an einige Fakten, die unbestreitbarsten und beredtesten.

Zu Beginn der Regierungszeit von Präsident Cárdenas forderte die sogenannten „kommunistische" Partei Mexikos, also die direkten Agentur Moskaus, dass die Regierung dieses Landes Stalin ihre Entschuldigungen für die Vorgehensweise der Regierung von Calles-Ortíz Rubio in Bezug auf die UdSSR überbringe und bezeichnete die Regierung Cárdenas als „faschistisch", als sie keine Entschuldigung erhielt. Das war die allgemeine Linie vor der großen Wende.

Lombardo Toledano ging 1935 nach Moskau, um von der göttlichen Gnade erleuchtet zu werden. Und natürlich kam der „Heilige Geist" über ihn und zeigte ihm das Licht. Es ist nicht möglich, offiziell ein Freund Moskaus zu sein, ohne Trotzki mit aller Kraft zu verunglimpfen, zu verleumden und zu bekämpfen. Toledano übernahm diese Verpflichtung und widmete sich ihr nach besten Kräften. Im Namen der mexikanischen Arbeiter lehnte er Trotzkis Recht auf Asyl ab. Glücklicherweise schienen die von ihm vorgebrachten Argumente General Cárdenas nicht zu überzeugen, der eine ganz andere Auffassung von Demokratie und Asylrecht hat als der hingebungsvolle Schüler Moskaus.

Trotzki kam im Januar 1937 in Mexiko an. In den ersten Monaten zögerte die Kommunistische Partei noch, welche politische Linie sie in dieser Angelegenheit verfolgen sollte. Das lag daran, dass Moskau in dieser Frage noch keine Entscheidung getroffen hatte. Für Laborde war Toledano immer noch ein Todfeind. Ende Mai wurde die CTM gespalten. Die Polemik zwischen den Brüdern oder besser gesagt den Weggefährten des Vortages war äußerst heftig. Aber Moskau traf seine Entscheidung. Browder, der Führer der Kommunistischen Partei der Vereinigten Staaten, kam persönlich nach Mexiko, um diese Frage zu klären. Er befahl Laborde, vor Toledano auf dem Bauch zu liegen, der zu Moskaus Spezialagenten Nummer eins ernannt wurde. Die Gewerkschaftseinheit wurde wiederhergestellt. Der CTM-Kongress wurde unter der eisernen Herrschaft Moskaus vorbereitet.

Aber was hat Moskau dort gesucht? Die Antwort ist einfach und klar: Trotzkis Vertreibung aus diesem Land, mit anderen Worten, seine Übergabe an die GPU. Seit Jahren fasst sich die Innenpolitik der UdSSR im Kampf gegen den Trotzkismus zusammen. Eine Reihe von monströsen Prozessen wurde geplant und inszeniert. Tausende von Menschen wurden verhaftet, „verurteilt", erschossen. Zehntausende inhaftiert und deportiert. All die fantastischen Verbrechen, die den Opfern des schändlichen Moskauer Henkers zugeschrieben werden, laufen, wenn man Stalin und seinem Wyschinski glaubt, zielsicher bei der Person des Exilierten zusammen, der sich zuvor in Frankreich und Norwegen befand und heute in Mexiko lebt. Die Zahl der Opfer, das Ausmaß der Bemühungen, die endlose Kampagne der Verleumdungen und Verfolgungen, die Ermordungen sogenannter Trotzkisten im Ausland zeigen mit absoluten Beweisen den von Stalin gezahlten Preis, um denjenigen zu bekämpfen, den die Kreml-Clique als ihren größten Feind betrachtet, und, wenn möglich, mit ihm Schluss zu machen. Wie kann man also glauben, dass Stalin keine Politik bezüglich Mexiko habe? Er hat eine und eine sehr bestimmte. Bei den Anliegen Stalins nimmt Coyoacán einen der ersten Plätze ein.

Aber wie erreicht man sein Ziele? Die stalinistische Partei in Mexiko ist zu unbedeutend, um mit ihrer „Opposition" etwas zu erreichen. Die Vorwürfe des „Faschismus" gegen die Regierung Cárdenas müssen daher fallen gelassen werden. Im Gegenteil, es ist notwendig, eine Absolute Hingabe an denjenigen zu manifestieren, der gestern als Faschist bezeichnet wurde, Lázaro Cárdenas. Der Regierung muss gezeigt werden, dass sie von Feinden umgeben ist und nur in Stalins Armen das Heil finden kann.

Aber Laborde ist zu unbedeutend für eine solche Mission. Alles, was er tun muss, ist, Toledano zu unterstützen und sich bescheiden hinter ihm zu verstecken, und wir werden Zeuge dieser erbaulichen Szene: Lombardo Toledano, ein Stalinist der letzten Stunde, aber mit tadellosem Eifer, verwandelt sich gleichzeitig in einen 100%-igen Cardenisten.

Während der öffentlichen Demonstration am 20. November in Anwesenheit des Präsidenten hielt Laborde eine Rede, in der er Trotzki der Komplizenschaft mit den „faschistischen" Generälen Villareal und Cedillo sowie mit M. Pépé Vasconcelos beschuldigte. Das Ziel dieses faschistischen Plans sei es gewesen, die Regierung Cárdenas zu stürzen. Erscheint Ihnen diese Konstruktion zu absurd? Natürlich ist sie das. Aber nicht absurder als die anderen Anschuldigungen Moskaus und auf jeden Fall ganz im gleichen Stil. Laborde hätte eine solche Rede nie ohne vorherige Genehmigung oder besser ohne direkten Befehl aus Moskau halten können. In dieser groben Fälschung erkennt man die allgemeinen Linien des Plans der GPU Die reale oder imaginäre faschistische Gefahr nutzen, ein Amalgam zwischen Trotzki und den realen oder vermeintlichen Faschisten schaffen, der Regierung die eigene viel mehr vermeintliche als reale Hingabe demonstrieren, und unter dieser politischen Verkleidung den Feind Nr. 1 beseitigen.

Dieser Plan basiert auf den spanischen Erfahrungen. Stalin nutzte den Aufstand von General Franco gegen die republikanische Regierung, um der letzteren seine Diktatur aufzuzwingen und nutzte die „günstigen" Bedingungen des Bürgerkriegs um mit Stalins bedeutendsten Feinden auf spanischem Boden Schluss zu machen. Die ganze Welt kennt auch die Taten der GPU auf der Iberischen Halbinsel, die Ermordung von Andrés Nin, der zuvor aus der Sowjetunion vertrieben wurde, die Ermordung von anarchistischen Theoretikern, die Entführung von Erwin Wolf, Trotzkis ehemaligem Sekretär, und Hunderten von weniger bekannten Menschen. Diese Erfahrung scheint die GPU außerordentlich befriedigt zu haben. Warum nicht dasselbe Experiment in Mexiko versuchen?

Es stimmt, dass wir noch keinen Bürgerkrieg haben. Aber mit Hilfe der GPU kann er ausbrechen. Wie das Beispiel Frankreich zeigt, hat die GPU Agenten auf allen Seiten, sowohl auf der rechten als auch auf der linken Seite. Unter den weißen Russen Frankreichs gibt es eine Reihe von Agenten der GPU, die bei Bedarf als Monarchisten oder Trotzkisten agieren. Die GPU ist durchaus in der Lage, selbst mit ihrer rechten Hand den Faschisten in Mexiko zu helfen, ihrerseits eine Aufstandsbewegung zu beschleunigen, während sie mit ihrer linken Hand, also mit Lombardo Toledano und Laborde, die Regierung unterstützt. Das ist der eigentliche Plan.

Aber wird Lombardo Toledano sich für das Spiel zur Verfügung stellen? Er bietet sich schon an! Und mit welcher Unerbittlichkeit! Er begann damit, Trotzki in öffentlichen Versammlungen zu beschuldigen, den Generalstreik zum Sturz der mexikanischen Regierung vorzubereiten. Diese Denunziation scheint in ihrem Ausmaß unwahrscheinlich, aber es ist eine Tatsache, dass die mexikanische Presse sie seinerzeit veröffentlicht hat. Wenn Toledano das Risiko eingeht, derartige Aussagen zu machen, dann deshalb, weil er sich verpflichtet hat, sie zu machen. Es ist kein Zufall, dass Browder nach Mexiko kam, es ist nicht wegen Lombardos gutem Aussehen, dass Laborde sich vor ihm verbeugte und auf den Bauch warf. Do ut des. Um die Hilfe Moskaus für seine eigenen politischen Zwecke zu nutzen, muss Toledano nicht nur die antitrotzkistische Kampagne auf mexikanischem Boden übertragen, sondern auch seinem Führer helfen, sie zu ihrem endgültigen Abschluss zu führen.

Aber ist Toledano ein überzeugter Cardenist? Ja, genau so wie Laborde, der auf Befehl Moskaus den „faschistischen" Präsidenten in einen Nationalhelden verwandelt. Diese Herren sind Cardenisten oder Anti-Cardenisten gemäß den Zielen Moskaus. Sie sind disziplinierte Agenten, das ist alles, und immer bereit, die brutalste und unerwartetste Wendung zu machen. Es ist nicht notwendig, hier die Anschuldigungen der Komplizenschaft mit den Faschisten gegen Trotzki und seine Freunde, die Fälschungen Moskaus und seiner Agenten zu widerlegen, denn sie können nur Narren oder Schurken überzeugend erscheinen, und wir schreiben weder für die einen noch für die anderen. Wir sind natürlich weit davon entfernt, die faschistischen Gefahren zu leugnen, die nicht nur die Regierung von Cárdenas, sondern auch die Zukunft unseres Landes bedrohen können. Die neue und sich verschärfende Weltkrise wird die sozialen Kämpfe in der ganzen Welt und auch in und um Mexiko verschärfen. Der Kampf gegen die Reaktion und vor allem gegen ihre barbarischste Form, den Faschismus, ist die elementarste und zwingendste Pflicht eines jeden ehrenwerten und mutigen Arbeiters, Bauern und Intellektuellen, der sich seiner Klasseninteressen und der Interessen seines Volkes bewusst ist. Aber das Schlimmste, was unserem Volk passieren kann, ist, dass dieser Kampf unter der Führung von Moskaus Agenten stattfindet. Die GPU erstickte in Spanien zur gleichen Zeit wie die Unabhängigkeit der Arbeiter- und Bauernorganisationen die soziale Revolution. Dies ist der Hauptgrund, warum das revolutionäre Heldentum ohne Grenzen und die Opfer ohne Zahl der spanischen Arbeiter nur zu Rückschlägen und Niederlagen führten. Das werktätige Volk in Mexiko will und wird die Wiederholung der gleichen Prozesse nicht zulassen. Kampf gegen den Faschismus? Ja, mit aller Kraft. Leitung der GPU durch ihre Agenten? Nein, nein und nein. Das wäre eine Katastrophe. Und wonach wir streben ist der Sieg.

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