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Leo Trotzki 19380317 Kain Dschugaschwili geht bis zum Ende

Leo Trotzki: Kain Dschugaschwili geht bis zum Ende

[eigene Übersetzung nach dem russischen Text, verglichen mit den englischen und französischen Übersetzungen]

Die Gemeinheit der letzten gerichtlichen Inszenierung verblasst zeitweise neben ihrer Dummheit. Stalin glaubt immer noch, dass er mit Hilfe des von ihm gemeinsam mit Jagoda erfundenen Tricks die ganze Menschheit täuschen kann. Die allgemeine Idee der Inszenierung, die imaginären politischen Pläne der „Verschwörer", die Rollenverteilung zwischen ihnen – wie ist das alles grob und platt, auch aus dem Blickwinkel der Justizfälschung! Hinter dem Rücken des „großen" Stalin schaut Dschugaschwili, ein kleinbürgerlicher Tifliser, auf die Menschheit, ein beschränkter und unwissender Schurke. Die Mechanik der Weltreaktion stattete ihn mit unbegrenzter Macht aus. Niemand wagt es, ihn zu kritisieren oder ihm auch nur Ratschläge zu erteilen. Seine Gehilfen, Wyschinski und Jeschow, bis ins Mark demoralisierte Nullen, nehmen nicht aus Zufall ihre hohen Posten in einem System totalitärer Tyrannei und Ausschweifung ein. Die Angeklagten, von denen die Mehrzahl die Ankläger um mehrere Köpfe überragen, schreiben sich die Pläne und Ideen zu, die das Genie eines modernen Kretschinski hervorgebracht und eine Clique von Gangstern entwickelt haben. Von der Logik der Kapitulationen und Entmachtungen verfolgt, physisch und moralisch zermürbt, durch die Angst um Angehörige terrorisiert, von der politischen Sackgasse, in die sie von der Reaktion getrieben wurden, hypnotisiert, spielen Bucharin, Rykow, Rakowski, Krestinski und andere schreckliche und elende Rollen in den Drehbüchern des Analphabeten Jeschow. Und hinter den Kulissen reibt sich Kain Dschugaschwili die Hände und kichert unheilverkündend: Was für einen Trick hat er sich doch ausgedacht, um das Sonnensystem zu täuschen!

Aber kichert Stalin immer noch hinter den Kulissen? Spürt er nicht die unerwartete Wendung der Ereignisse? Es stimmt, er ist durch eine Mauer aus Unwissenheit und Speichelleckerei von der Welt abgeschirmt. Es stimmt, er dachte, dass die Weltöffentlichkeit nichts, aber die GPU alles sei. Aber die bedrohlichen Symptome vermehren sich für ihn sichtbar. Die Trojanowski, Maiski, Suritz und die Agenten Jeschows, die als ihre Aufpasser dienen, können immer weniger über ermutigende Nachrichten aus dem Ausland berichten. Eine immer akutere Besorgnis erfasst die arbeitenden Massen der ganzen Welt. Immer häufiger und größer ist die Zahl der Ratten, der sogenannte „Freunde", die es eilig haben, das bedrohte1 Schiff zu verlassen. Internationale Wolken sammeln sich. Der Faschismus fährt einen Sieg nach dem anderen ein, und der Stalinismus ist sein Hauptgehilfe auf allen Straßen der Welt. Schreckliche Kriegsgefahr züngelt an allen Toren der Sowjetunion. Unterdessen zerstört Stalin die Armee und zertrampelt das Land. Kain ist gezwungen, bis zum Ende zu gehen. Er beeilt sich, seine Hände mit dem Blut von Bucharin und Rykow zu benetzen. Er kann sich diesen Luxus heute noch leisten. Doch er ist weniger in der Lage, die „Süße" der Rache zu schmecken. Für den Tifliser Gauner, der von einer turbulenten historischen Welle auf den Thron des Thermidors hinauf gewirbelt wurde, wird es immer schwieriger zu kichern. Der Hass sammelt sich gewaltig um ihn, und schreckliche Rache hängt über seinem Kopf.

Eine terroristische Tat? Es ist möglich, dass das Regime, das unter dem Vorwand des Kampfes gegen den Terrorismus die besten Köpfe des Landes zerstört, am Ende echten Terror gegen sich selbst provoziert. Wir können mehr sagen: Es verstieße gegen die Gesetze der Geschichte, wenn die herrschenden Gangster keine Terroristen der Verzweiflung und Rache gegen sich selbst heranziehen würden. Aber die Vierte Internationale, die Partei der Weltrevolution, hat nichts mit Verzweiflung zu tun, und individuelle Rache ist für uns zu wenig. Welche politische oder moralische Befriedigung kann dem Proletariat die Ermordung von Kain Dschugaschwili geben, der ohne Mühe vom nächsten bürokratischen „Genie" ersetzt wird? Insofern das persönliche Schicksal Stalins uns überhaupt beschäftigen kann, können wir nur wünschen, dass er den Zusammenbruch seines Systems miterlebt. Er wird nicht lange warten müssen. Die siegreichen Arbeiter werden ihn und seine Gangster aus den Trümmern der totalitären Gräuel hervorziehen und sie dazu zwingen, vor einem wirklichen Gericht über die von ihm begangenen Gräueltaten Rechenschaft abzulegen. In der menschlichen Sprache gibt es keine Worte, die in der Stunde des letzten Gerichts dem Unheilvollsten der Kaine der Geschichte2 dienen könnten. Die Denkmäler, die er für sich selbst errichtet hat, werden zerstört oder in ein für Museum totalitärer Gangster gesteckt werden. Aber die siegreiche Arbeiterklasse wird alle öffentlichen und geheimen Prozesse neu aufrollen und den unglücklichen Opfern des stalinistischen Systems der Niedertracht und Schande Denkmäler auf den Plätzen der befreiten Sowjetunion errichten.

1In der englischen Übersetzung: „sinkende“

2Die englischen und französischen Übersetzungen interpretieren es als „Geschichten des unheilvollsten Kains“

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