Leo Trotzki: Für ein Tagebuch [Diese Notiz wurde von Hand geschrieben. Eigene Übersetzung nach einer Kopie, die im Archiv Trotzkis an der Harvard Universität aufbewahrt wird, bMs Russ 13 T-4310] Wir leben heute wie immer mit meiner Frau noch unter dem Joch des größten Verlustes, den wir erleiden mussten. Der Arbeitstag beginnt mit dem Lesen von Telegrammen über den Moskauer Prozess. Trotz allem haben wir nicht verlernt, überrascht oder empört zu sein. Ich setze mich hin, um die nächsten Artikel und Erklärungen zu schreiben. Meine Frau und meine jungen Mitarbeiter suchen nach Materialien und Dokumenten. Die Post bringt uns jeden Morgen zahlreiche Sympathiebriefe aus der ganzen Welt. Ohne unsere Trauer zu mindern, geben die Briefe moralische Befriedigung. Telefonanrufe. Meine Mitarbeiter schreiben die neuesten Nachrichten über den Prozess auf. Mit müdem Erstaunen tauschen wir Blicke über die Aussagen der unglücklichen Angeklagten aus. Meine Artikel und Erklärungen werden inzwischen in Fremdsprachen übersetzt. Alle Daten und Zitate sind sorgfältig geprüft Von New York kommt per Luftpost die N.Y.Times. Wir lesen Telegramme aus Moskau, wir formulieren die Details in den Artikeln genau. Der Abend kommt. Die Artikel werden an das Telegraphenamt geschickt. Die Erholung besteht aus Erinnerungen an den Sohn, dessen Leben in den letzten drei Jahrzehnten so eng mit unserem Leben verbunden war. Nacht und von neuem Tag. Wir werden von der Idee gestützt, dass wir weiterhin der Sache dienen, der wir unser ganzes Leben lang gedient haben. Trotzki 8. März 1938 |
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