Leo Trotzki: Ein offener Brief an De Nieuwe Fakkel [Eigene Übersetzung nach Writings of Leon Trotsky (1937-38) New York ²1976, S. 148f.] An die Herausgeber von De Nieuwe Fakkel und De Internationale Liebe Genossen: Sie haben mir mehr als einmal die Ehre gegeben, meine Artikel zu veröffentlichen. Deshalb zweifle ich nicht, dass Sie sich nicht weigern werden, den folgenden kurzen Brief zu veröffentlichen. Seit dem Beginn des Bestehens Ihrer Partei war ich mit ihren Führern und zuallererst mit Genossen Sneevliet in allen Grundfragen verschiedener Meinung. Tatsächlich war die Führung der RSAP immer in unversöhnlicher Opposition zu allen anderen Sektionen der Vierten Internationale und während der letzten zwei Jahre haben sich diese Differenzen zunehmend verstärkt. In voller Übereinstimmung mit der überwältigenden Mehrheit unserer internationalen Organisation habe ich die Politik von Sneevliet im Bereich der Gewerkschaftsbewegung als ruinös betrachtet und tue das weiterhin. Ich habe das Fehlen eines revolutionären Aktionsprogramms der RSAP und den sich ergebenden prinzipienlosen Charakter ihrer Agitation als völlig unzulässig betrachtet und tue das weiterhin. Ich war der Ansicht, dass die Haltung der Führung der RSAP gegenüber der Politik der „Volksfront“ immer mehrdeutig war, das heißt verdeckt und manchmal offen opportunistisch, und bin es weiterhin. Die Politik des Genossen Sneevliet in der Frage der POUM steht im vollen Widerspruch zum ABC des Klassenkampfes und hat der spanischen Revolution und der Vierten Internationale einen unzweifelhaften Schaden zugefügt. Die Politik des Genossen Sneevliet in der russischen Frage war und ist immer noch im Wesen falsch und in der Haltung illoyal gegenüber den russischen Bolschewiki-Leninisten. Ich habe die Parlamentstätigkeit des Genossen Sneevliet als opportunistisch betrachtet und tue das weiterhin. Ich habe die völlig unsolidarische Haltung der Führung der RSAP gegenüber allen anderen Sektionen und dem Internationalen Sekretariat als unzulässig betrachtet und tue das weiterhin. Ich war der Ansicht, dass in allen grundlegenden Konflikten zwischen dem Genossen Sneevliet und den Internationalen Sekretariat das IS politisch richtig lag, und bin es weiterhin. Dutzende Male hat das IS Ihrem Zentralkomitee eine offene und freimütige Diskussion über alle strittigen Fragen vorgeschlagen. Sie haben sich hartnäckig geweigert, diese grundlegende Pflicht gegenüber ihrer eigenen Partei zu erfüllen. Statt eine Diskussion zu eröffnen, hat Ihr Zentralkomitee zum Ausschluss wirklicher Anhänger der Vierten Internationale aus Ihrer Organisation gegriffen. Diese Maßnahme konnte nicht weniger anzeigen als die Bereitschaft einer Spaltung mit der Vierten Internationale und ein Übergehen in das Lager der „linken“ Sozialdemokraten, die sich um das Londoner Büro vereinigten. Mein letzter Brief an Genossen Sneevliet datiert vom 2. Dezember 1937, in dem ich fragte, ob Ihre Partei beabsichtige, an der Internationalen Konferenz teilzunehmen, blieb unbeantwortet. Wichtiger ist der Umstand, dass die offizielle Anfrage des Internationalen Sekretariats auch unbeantwortet blieb. Der gegenwärtige Brief, der den fünfjährigen Versuch der Zusammenarbeit, solidarischen Kritik, gegenseitigen Klärung und Annäherung zusammenfasst, hat das Ziel, offen zu sagen, was ist. Jeder muss die Verantwortung für seine politische Linie tragen. Die Mitglieder Ihrer Partei und aller Sektionen der Vierten Internationale werden urteilen. Mit revolutionäre Grüßen, Leo Trotzki |
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