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Leo Trotzki 19380723 Die Entführung des Genossen Klement

Leo Trotzki: Die Entführung des Genossen Klement

[eigene Übersetzung nach dem russischen Text in Бюллетень Оппозиции (большевиков-ленинцев), Nr. 68-69, August-September 1938]

Am 13. Juli verschwand unter mysteriösen Umständen unser Genosse Rudolf Klement, einer der technischen Sekretäre der Vierten Internationale, ein ehemaliger Sekretär Trotzkis in den Jahren 1933-35, in Paris. Seine Genossen sahen ihn zum letzten Mal gegen 12 Uhr nachmittags. Zwei Tage lang war nichts über sein Schicksal bekannt. Erst am 15. Juli erhielt einer der Führer der französischen bolschewistisch-leninistischen Partei, Genosse Rous, einen – sowohl nach Form als auch Inhalt – mehr als seltsamen von Rudolf Klement unterzeichneten Brief (auf Schreibmaschine).

Wenn es keine Moskauer Prozesse gäbe, würde der Brief als das unzusammenhängende Delirium eines Verrückten erscheinen. Hier gibt es sowohl Beschuldigungen Trotzkis wegen Verbindungen zu den Faschisten und der Gestapo als auch eine Diskreditierung der Dewey-Kommission als auch schließlich persönliche Angriffe auf Trotzki, den verstorbenen Leo Sedow und einige andere Persönlichkeiten der Vierten Internationale. Diese ganze „Argumentation" sollte den Bruch Klements mit der Vierten Internationale erklären. Der Brief listet die Namen einer Reihe von Personen auf, die sich in verschiedenen Perioden aus der Vierten Internationale zurückgezogen haben und ausgeschlossen wurden. Die Auswahl der Namen findet auf der Grundlage des Prinzip der stalinistischen Amalgame statt. Hier gibt es ehrliche Revolutionäre wie Nin, Sneevliet, Vereeken, die die Organisation wegen politischer Differenzen verließen; demaskierte stalinistische Agenten wie Roman Well und Jakob Frank, die schon lange im Dienste der GPU standen; der aus der französischen Organisation ausgeschlossene berüchtigte R. Molinier und schließlich Menschen, die mit der Vierten Internationale wenig gemeinsam haben, wie Ruth Fischer und Maslow.

Wer ist der Autor des Briefes? Daran kann es kein Zweifel geben. Es sind die Autoren von Sedows Reise nach Kopenhagen, Pjatakows Flug nach Oslo, kurz gesagt, die GPU. Eine Reihe von äußeren Merkmalen, ganz zu schweigen vom Inhalt, bestätigt die Richtigkeit unserer Hypothese. Eine detaillierte Analyse des Briefes findet sich im Artikel: „Über das Schicksal von Rudolf Klement".

Die Sache ist klar. Die GPU entführte Rudolf Klement, einerseits bestrebt die Vierte Internationale und L. D. Trotzki persönlich zu treffen, andererseits in der Hoffnung, mit Hilfe dieses Briefes den Namen eines ehrlichen Bolschewisten-Leninisten zu benutzen, um stalinistische Fälschungen zu bestätigen.

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