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Leo Trotzki 19380424 Brief an Suzanne LaFolette

Leo Trotzki: Brief an Suzanne LaFolette

(24. April 1938)

[eigene Übersetzung nach der französischen Übersetzung in Léon Trotsky, Œuvres 17, mars 1938 a juin 1938. Institut Léon Trotsky, Paris 1984, S. 211 f., unter dem Titel „Une Citation de Lénine“, Ein Lenin-Zitat]

Liebe Frau LaFollette,

Sie sind sicherlich ein wenig überrascht, dass Sie so lange keine Antwort auf Ihren Brief vom 15. April erhalten haben. Ich war in dieser Zeit sehr beunruhigt: Meine Mitarbeiter konnten in Lenins Werken das von Ihnen angegebene Zitat nicht finden. Vor ein paar Minuten fand Natalia nach einer langen und schwierigen Suche die Quelle. Der Artikel „Sozialdemokratie und provisorische revolutionäre Regierung" wurde in der bolschewistischen Zeitung Wperjod (Vorwärts) Nr. 13 und 14., 26. und 30. März 1905 (5. und 12. April neuen Stils) veröffentlicht. Dieser Artikel war nicht gezeichnet, und zu der Zeit, als ich an meiner Geschichte der Russischen Revolution arbeitete, wurde er als ein Artikel von Lenin wiedergegeben, und so habe ich ihn zitiert. In der Zwischenzeit wurde das Originalmanuskript gefunden und es wurde festgestellt, dass dieser Artikel von einem alten Bolschewisten, Olminski, geschrieben und durch Lenin sorgfältig für die Veröffentlichung vorbereitet wurde. Lenin war Chefredakteur von Wperjod und Olminski Mitglied der Redaktion.

Der Text dieses Artikels ist im Leninskij Sbornik, Band 26 (1934), Seiten 174 bis 178. Das Zitat findet sich auf den Seiten 177 bis 178.

In dieser Sammlung sind alle Korrekturen Lenins notiert und sie zeigen, dass Lenin alle Sätze und jedes Wort des Artikels geprüft und abgewogen hat. Es war dieser Umstand, der zu der Schlussfolgerung führte, dass der Artikel in Lenins Stil war. Jedenfalls identifizierte sich Lenin nicht nur als Herausgeber des Wperjod, sondern vor allem auch durch seine Änderungen ganz mit den Ideen des Artikels, zu dem er in anderer Hinsicht den Autor selbst inspiriert hatte und die er oft wiederholte.

Sie werden selbst tun, Frau LaFollette, was in diesem speziellen Fall zu tun ist. Es scheint mir, dass Sie anstelle von „Lenins Artikel" „ein von Lenin sorgfältig bearbeiteter Artikel" sagen können. Dies wäre vollkommen korrekt und würde das Gewicht des Zitat nicht im Mindesten schwächen.1

Der Satz: „Der Übergang der Führung des Sowjets von Chrustaljow auf Trotzki wird ein großer Schritt vorwärts sein", scheint mir ein Auszug aus den Memoiren eines der alten Bolschewiki zu sein. Ich erinnere mich vage an diesen Satz, aber nicht an seinen Autor. Ich habe die „Silhouetten“ von Lunatscharski nicht in meinem Besitz. Ich erinnere mich sehr gut daran, dass Lenin an meiner Wahl Anstoß nahm (Lunatscharski dachte, es sei eine Art „Eifersucht"), aber hinzufügte: „Nun, Trotzki hat das durch seine ausgezeichnete und unermüdliche Arbeit erreicht …", so etwas in der Art, Ich zitiere aus dem Gedächtnis. Ich bedauere sehr, dass ich diese Frage nicht genauer beantworten kann.

PS: Sie sind mit der Entwicklung des marxistischen Denkens und der Fraktionskämpfe in Russland so vertraut geworden, dass man hoffen kann, dass Sie diese angesammelte Gelehrsamkeit in Ihrer nächsten Schrift verwenden werden, n’est-ce pas2?

1In den deutschen „Sämtlichen Werken“ der späten 1920er und 1930er Jahre, die auf der zweiten russischen Auflage der russischen Lenin-Werke beruhten, ist der Text ebenso enthalten wie in den DDR-„Werken“, die auf der 4. Auflage beruhten. In der 5. russischen Auflage (Band 10) ist der Artikel mit einer Fußnote wiedergegeben, wonach der Artikel von Lenin stamme, aber mit einer handschriftlichen Änderung Olminskis abgedruckt worden sei. Dort befindet sich S. 365 auch ein Artikel„entwurf“ Lenins (eher eine grobe Gliederung des Artikels).

2„nicht wahr”

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