Leo Trotzki: Brief an Pierre Naville (28. Januar 1938) [eigene Übersetzung nach Léon Trotsky, Œuvres 16, janvier 1938 – mars 1938. Institut Léon Trotsky, Paris 1983, p. 126 f., unter dem Titel „Quelques Remarques“, Einige Bemerkungen] Lieber Genosse Naville, Ihre Vorwürfe an meine Adresse bezüglich der Gide-Frage sind absolut falsch. Sie sollten sie an sich selbst adressieren. Sie haben niemals irgendwelche Ratschläge oder Informationen gegeben, die uns hier hätten orientieren könnten. Alles, was Sie uns über Gide geschrieben haben, ermutigte uns zur Reserve. Sie haben immer betont, dass Gide sich nicht einmischen wollte, dass er mehr oder weniger „über dem Streit" bleiben wollte, und so weiter. In seinen letzten zwei Büchern über die UdSSR vermeidet er sorgfältig die [Moskauer] Prozesse. Unter diesen Umständen dachte ich, dass jede Intervention meinerseits ihm die Idee eingeben könnte, dass ich seine Reise für einen politischen oder „persönlichen" Zweck nutzen möchte. Dies ist der einzige Grund, der mich zu einer abwartenden Haltung angeregt hat. Und wenn Sie jetzt sagen, dass ich mich um Mittelmäßige kümmere und nichts zu Gide sage, ist es wirklich erstaunlich. Sie und Sie allein tragen die Verantwortung für dieses beklagenswerte Missverständnis. Die 4. Ausgabe der Quatrième Internationale war für uns eine echte Freude, gemildert durch die Angst, es sei wieder eine sehr kurze Explosion der Energie. Denken Sie nicht, wir könnten eine gemeinsame Zeitschrift mit den Belgiern machen? Ich stelle mir die Schwierigkeiten vor, aber die Aufgabe ist es wert. Es ist sehr bedauerlich, dass die Amerikaner Sie nicht auf dem Laufenden halten. Aber Ihr Brief sagt mir, dass Sie sie sehr unterschätzen. Heute ist es eine sehr seriöse Organisation mit einer Fülle von Erfahrungen und Führungsqualitäten, die wirklich in der Lage ist, ihre Autorität zu stützen, ohne disziplinarische Maßnahmen zu missbrauchen. Die Genossen Burnham und Carter haben große Fehler begangen, aber sie haben nichts mit dem armen Salemme gemein. Burnham wird wieder in das Politbüro und Carter in das Zentralkomitee gewählt. Die New Republic und die Nation haben ihre Haltung nach dem Urteil der Untersuchungskommission dramatisch verändert. Die New Republic, die zu 100% stalinistisch war, musste vor Gericht klagen und verkünden, dass sie weder stalinistisch noch trotzkistisch, sondern amerikanisch sei. Frau Kirchwey, die Leiterin von The Nation, bietet mir an, meine „Philosophie" für ihre Leser darzulegen. Die Stalinisten sind unter den Intellektuellen im Niedergang begriffen. Jetzt haben unsere Freunde an der Westküste gerade einen ersten großen Gewerkschaftssieg errungen, indem sie den Stalinisten die Seeleutegewerkschaft entrissen haben. Sie müssen das im Socialist Appeal gelesen haben. Verfolgt die französische Presse weiterhin ihre Verschwörung des Schweigens zu Stalins Verbrechen? Ich wäre dankbar für Informationen zu diesem Thema wie auch zu anderen. |
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