Leo Trotzki: Brief an Mark Zborowski und Lilia Estrin 26. Juni 1938 [eigene Übersetzung nach dem russischen Text in Архив Л. Д. Троцкого. Том 9, verglichen mit der französischen Übersetzung. Die russischen Herausgeber nennen nur Zborowski als Empfänger, die französischen auch Estrin] Lieber Genosse, Die Materialien und das „Bulletin" sind eingetroffen. Vielen Dank für alles. Vielleicht hat es sich nicht gelohnt, meinen für die amerikanische Presse geschriebenen Artikel „20 Jahre" abzudrucken: den Lesern des Tagebuchs gibt er nichts. Aber das ist nicht so wichtig. Schande und dreimal Schande1, dass Krivitsky und andere keine Artikel für das „Bulletin" liefern und sie für die Menschewiki aufsparen. Und diese Leute hielten sich gestern für Bolschewiki! Tatsächlich waren sie bourgeoise Beamte Stalins, nicht mehr. Für mich im höchsten Grade nützlich waren die Auszüge aus Iremaschwili. Ich denke, seine Erinnerungen verdienen im Grunde absolutes Vertrauen. Souvarine umging ihn ungläubig. Liegt es einfach daran, dass Souvarine kein Deutsch kann? Iremaschwili, berichtete fünf Jahre vorher, was offizielle Memoiren und Biografen später, entweder direkt oder indirekt, meist durch beredtes Schweigen, bestätigten. Was wissen Sie über Iremaschwili? Warum glauben Sie, dass er nicht vertrauenswürdig ist? Nur weil dieser ehemalige Menschewik ein Nationalsozialist wurde? Bitte sagen Sie uns in diesem Zusammenhang alles, was Sie wissen. Ich bin Nikolajewski sehr dankbar für seine Bereitschaft, auch dieses Mal Hilfe zu leisten. Ich für meinen Teil würde mich sehr freuen, ihm in irgendeiner Hinsicht nützlich zu sein. Vielleicht braucht er irgendwelche amerikanische Bücher, Zeitschriften 2und Auskünfte? Ich werde bereitwillig alles tun, was ich kann. Das Gerede3 darüber, dass ich nicht gegen Dans Beschuldigungen protestiert habe, ist lächerlich. Ich habe nicht gegen die Beschuldigungen Rosmers, Eastmans, Souvarines und vieler anderer protestiert. Die Arbeit, die wir durch die Kommission in New York durchgeführt haben, hat keinen persönlichen, sondern einen allgemeinen Charakter und erstreckte sich auf alle Verleumdeten. Was Dan persönlich betrifft, können nur Idioten glauben, dass er mit der Gestapo verbunden sei (oder ich weiß nicht mehr, mit wem). Von der New Yorker Redaktion des „Bulletin" wurde so etwas wie ein moralisches Mandat geschickt. Ich schließe mich dem von ganzem Herzen an. Ich denke, dass an der Delegation zwei Genossen und sogar drei teilnehmen können, abhängig von der Lage und den Bedingungen, die die „Obrigkeit"4 schaffen wird. Bei den Auszügen aus Stalins Reden und Artikeln ist es sehr wichtig, den folgenden Fragen besondere Aufmerksamkeit zu schenken: a) die chinesische Revolution, b) das Anglo-Russische Komitee, c) das Programm der Komintern, d) Die dritte Periode („Zwillinge" und so weiter). Es ist nicht notwendig, die Artikel komplett abzuschreiben, es genügt, den zentralen Punkt zu wählen, das Datum genau anzugeben und so weiter (die Auszüge aus Iremaschwili sind hervorragend gemacht). Zur nächsten Ausgabe des „Bulletins" möchte ich Ihnen einen weiteren kurzen Artikel über die Zerstörung5 der Roten Armee in Form eines Leitartikels geben. Allgemein sind Sie von hier aus komplett mit Materialien versorgt. Ich schüttle Ihnen die Hand. Ihr L. D. T.[rotski] 1 In der französischen Übersetzung statt „Schande und dreimal Schande“: „es ist schändlich“ 2 In der französischen Übersetzung fehlt der Rest des Satzes 3 In der französischen Übersetzung: „die umgehenden Gerüchte“ 4 In der französischen Übersetzung: „Leitung“ 5 In der französischen Übersetzung: „Zerstörung“ |
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