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Leo Trotzki 19380929 Brief an Lilia Estrin

Leo Trotzki: Brief an Lilia Estrin

29. September 1938

[eigene Übersetzung nach dem russischen Text in Архив Л. Д. Троцкого. Том 9]

Werte Genossin L.,

Mit der letzten Nummer sind wir hier zufrieden. Gut, dass Sie den Appell der Polnischen B[olschewiki-]L[eninisten] mit aufgenommen haben. Es ist schade, dass die Informationen von außen aufgehört haben. Auf Seite 19 wird von Ihnen mitgeteilt: „Die Wiedergabe von Artikeln ohne namentliche Zustimmung der Redaktion wird strafrechtlich verfolgt." Was meinen Sie mit namentlich? Das ist ein ärgerlicher Lapsus.

Uns wurden recht viele Materialien geschickt. Jetzt wird ein weiterer Artikel verschickt. Ich denke, dass die Konferenzdokumente Ihnen viele Materialien liefern werden. Sie müssen sich nur um die einwandfreie Übersetzung kümmern.

Vielen Dank für die Materialien zum „Stalin". Also, I erinnert sich daran, dass Stalin 1904 ein Bolschewik war. Ich denke, dass er sich in der Chronologie irrt: Dies ist der häufigste Fehler in allen Memoiren. Auf der November-Konferenz der Bolschewiki von 1904 wirkte Stalin, wie deutlich aus dem Buch von Beria (die dritte Ausgabe, die wir haben) hervorgeht, nicht mit, an dem Büro, das von der Konferenz gebildet wurde, nahm er nicht teil. Am dritten Kongress der Bolschewiki (April 1905) nahm er nicht teil, und so weiter. – All dies wäre absolut unmöglich, wenn er 1904 ein prominenter Bolschewik im Kaukasus gewesen wäre, besonders in Tiflis, wo die Bolschewiki einzeln gezählt wurden.

Auf jeden Fall kann die Periode bis zum Jahr 1906 entfallen, ich arbeite jetzt an der Periode 1907-1917. Was die Frage der Beteiligung Stalins an allen Expropriationen und Kampfhandlungen betrifft, so gibt es absolut kein Material. Vielleicht aber auch, dass man überhaupt nichts finden kann.

Wir müssen darüber nachdenken, wie wir im Kriegsfall mit dem „Bulletin" umgehen. Diesmal ist der Sturm offenbar vorbeigezogen. Aber ohne alle Zweifel, nicht für lange. Im Kriegsfall muss man das Bulletin nach New York verlegen. Ich rate Ihnen, über dieses Thema nachzudenken und einige vorbereitende Maßnahmen zu ergreifen, z.B. vorab eine Liste von Abonnenten, Agenten usw. nach New York zu schicken, damit Sie sich später nicht als unerwartet erwischt erweisen.

[L. D. Trotzki]

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