Leo Trotzki: Brief an James P. Cannon und Max Shachtman (19. April 1938) [eigene Übersetzung nach Writings of Leon Trotsky 1937-1938, New York ²1976, p. 319-321, dort unter dem Titel „Thoughts on the French Section", Gedanken über die französische Sektion, verglichen mit der französischen Übersetzung] Liebe Freunde: Persönlich hatten wir hier die französische Frage nicht genügend erörtert. Diese ist jetzt die wichtigste von allen. Die Entwicklung unserer französischen Sektion ist nicht zufriedenstellend. Sie übermitteln uns keine Statistiken, was für sich genommen ein schlechtes Zeichen ist. Die Zeitung erscheint nicht regelmäßig. Das Gleiche gilt für die so genannte Monatszeitschrift. Sie haben keinen einzigen Menschen mit organisatorischen Fähigkeiten. Gleichzeitig haben sie schwere Schläge durch stalinistische oder faschistische oder stalinistisch-faschistische Verschwörungen gegen sich erlitten. Ich weiß praktisch nichts über den wirklichen Zustand der Organisation Commune, aber ihre Zeitung ist unvergleichlich reichhaltiger. Bis letzten Monat erschien sie wöchentlich; jetzt erscheint sie dreimal wöchentlich im kleinen Format. Sie veröffentlichten einen dicken „theoretisches" Sammelband und zahlreiche Flugblätter und Broschüren. Dieser Wettbewerb verursacht allgemeine Verwirrung und wirkt sich äußerst nachteilig auf unsere Sektion aus. Wir können die Organisation Commune nicht einfach ignorieren. Wir müssen unserer Sektion helfen, die Organisation Commune zu besiegen. Dies kann nur durch eine sehr gründliche Kombination von positiven und negativen Maßnahmen erreicht werden. Bezüglich unserer Sektion 1. Eine spezielle Kommission mit Ihrer Teilnahme sollte ihre Organisation, die Verwaltung und Buchhaltung, insbesondere die beider Publikationen, überprüfen. 2. Als Voraussetzung für internationale Hilfe sollten sehr konkrete organisatorische Maßnahmen gefordert werden. 3. Die französische Sektion sollte in den Mittelpunkt der Aufmerksamkeit der ganzen Internationale gestellt werden. (Es ist meiner Meinung nach jetzt wichtiger, Geld nach Frankreich als nach China zu schicken.) 4. Wenn Sh. in Europa bleibt, sollte er den größten Teil seiner Zeit der französischen Frage widmen, besonders der theoretischen Monatszeitschrift. In Bezug auf die Gruppe Commune 1. Sie werden sicherlich in der einen oder anderen Form an die Konferenz appellieren. Es wäre gut, einen solchen Aufruf einige Wochen vor der Konferenz zu provozieren. Wir sollten ihn nicht im Voraus ablehnen. Im Gegenteil, wir sollten ihnen zeigen, dass wir bereit sind, die Beziehungen zu überdenken – natürlich auf der Grundlage bestimmter Prinzipien und Bedingungen. 2. Auch hier müssen wir mit der Überprüfung ihrer Buchhaltung beginnen, aber natürlich von einem anderen Standpunkt aus. Wir müssen ihnen erklären, dass die Beseitigung jeglichen Verdachts in dieser Hinsicht für uns als internationale Organisation eine zwingende Voraussetzung für weitere Diskussionen ist. Wenn sie sich trotz unseres Drängens dieser Überprüfung widersetzen, verurteilen sie sich selbst: Wir werden dann die Mitteilung veröffentlichen, dass die Diskussionen abgebrochen wurden, weil sie die internationale Kontrolle ihrer Finanzquellen nicht tolerieren konnten. Dies wäre für sie ein tödlicher Schlag. Deshalb würden sie das Eingreifen einer Kontrollkommission nicht ablehnen, wenn es ihnen überhaupt möglich wäre, ihre eigenen „Geschäftsgeheimnisse" offenzulegen. Dieser Punkt scheint mir von größter Wichtigkeit zu sein und bietet uns in beiden Fällen einen großen Vorteil: egal, ob sie unsere Kontrolle akzeptieren oder ablehnen. 3. Wenn die Kontrollkommission feststellt, dass La Commune nur dank der geschäftlichen Angelegenheiten von M. existiert, sollte die Kommission auf der Grundlage aller früheren Entscheidungen erklären, dass wir eine Situation nicht tolerieren können, in der der führende Genosse mit zweifelhaften Geschäften Geld macht und dann durch dieses Geld die Politik bestimmt. Meiner Meinung nach sollte die Entscheidung lauten, dass M. die Arbeit in Frankreich für mindestens zwei Jahre aufgeben muss. Wenn er oder sie diesen Vorschlag ablehnen, sollten wir die Tatsache veröffentlichen, dass die Diskussionen abgebrochen wurden, weil sie sich weigerten, die revolutionäre Politik von den kommerziellen Angelegenheiten von M. zu trennen. Eine solche Erklärung im Namen der internationalen Organisation würde ihnen einen tödlichen Schlag versetzen. 4. Wenn sie beide oben genannten Bedingungen akzeptieren, wäre die Situation sehr günstig. Wir treten dann in politische und organisatorische Diskussionen ein. Wir verurteilen ihre organisatorischen Methoden. Wir verurteilen ihre politischen Fehler, Intrigen usw. Wir schaffen unter dem IS eine Kommission mit dem Zweck, die Vereinigung zu fördern. Wenn Sh. in Europa bleibt, sollte er Vorsitzender dieser Kommission sein. Ich glaube, es wäre der beste Weg, der französischen Sektion zu helfen. Für die Übergangszeit, nach der Annahme aller oben genannten Bedingungen, könnten wir bis zur Fusion die Commune als sympathisierende Gruppe akzeptieren. Dies würde dem IS mehr Rechte und Möglichkeiten geben, in das interne Leben dieser Organisation einzugreifen. Das ganze Verfahren ist sehr heikel. Deshalb ist absolute Geheimhaltung des gesamten Plans notwendig. Gleichzeitig sollten wir gegenüber unseren führenden französischen Genossen sehr entschlossen sein, die sicherlich jedes Manöver im großen Maßstab als „Kapitulation" usw. im Voraus ablehnen. Wir müssen ihnen klar machen, dass wir nicht länger bereit sind, den elenden Zustand der französischen Sektion in einer so entscheidenden politischen Lage zu dulden. Bitte lassen Sie es mich wissen, wenn Sie der allgemeinen Linie dieses Plans zustimmen. Mit solidarischen Grüßen, Hansen [Trotzki]
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