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Leo Trotzki 19381027 Brief an Gérard Rosenthal

Leo Trotzki: Brief an Gérard Rosenthal

(27. Oktober 1938)

[Eigene Übersetzung nach dem französischen Text, dort unter dem Titel „Précisions juridiques“, Rechtliche Präzisierungen, vorletzter Absatz verglichen mit der englischen Übersetzung]

Werter Genosse,

Ich habe Ihre Briefe bezüglich der Frage Sievas erhalten. Ich muss einige rechtliche Präzisierungen vornehmen. In Jeannes Aussage gibt es die Behauptung, dass Leo Sedow Trotzkis leiblicher Sohn war. Dies ist aus juristischer Sicht nicht korrekt. Meine Ehe mit Natalia wurde nach sowjetischem Recht legalisiert. Ich nahm den bürgerlichen Namen meiner Frau an, und in den [amtlichen] Dokumenten, mit denen ich ins Ausland gereist bin, lautet mein Name Leo [Dawidowitsch] Sedow. Leo [Ljowitsch] Sedow ist mein legaler Sohn. Für Sieva ist die Frage aus rechtlicher Sicht ganz klar. Sinaida war die Tochter aus meiner ersten Ehe. Sie heiratete legal Professor Wolkow, dessen Namen sie erhielt. Sieva heißt nach seinem Vater Wolkow.

Um welchen Familienrat könnte es gehen? Juristisch gesehen gehört Jeanne nicht zur Familie. Ich bin also der einzige Blutsverwandte Sievas im Ausland, und wenn ich die Möglichkeit hätte, mich frei zu bewegen, d.h. nach Paris zu gehen, um Sieva zu nehmen, gäbe es überhaupt keine Rechtsfrage. In einem Brief, den Jeanne kurz nach Leos Tod schickte, bestand sie darauf, dass ich so schnell wie möglich über das Schicksal Sievas entscheide, d.h. ob ich ihn bei ihr lassen oder mitnehmen solle. Sie bestritt nicht für einen Moment mein Recht, über das Schicksal Sievas zu verfügen. Das ist die Rechtslage, soweit ich sie nachvollziehen kann.

Ich habe lange auf die Antwort Grassets auf mein neues Buch gewartet. Grasset ist still. Vielleicht waren es die großen internationalen Ereignisse, die ihn erschüttert haben?

Ein paar Worte über Breton. Ich glaube nicht, dass wir als Partei von ihm verlangen können, dass er seine literarische Zeitschrift als Blockzeitschrift betreibt. Er vertritt die surrealistische Schule. Wir tragen keine Verantwortung für ihn; im Bereich der Kunst, der für ihn alles ist, hat er natürlich das absoluteste Recht, über sich selbst zu verfügen1. Es geht uns nicht darum, künstlerische Tendenzen zu vermengen2, sondern sie in ihrer jetzigen Form in einem gemeinsamen Kampf gegen totalitäre Angriffe auf die Kunst zusammenzufassen. Jeder Versuch unsererseits, künstlerische Tendenzen als solche einem politischen Interesse unterzuordnen, könnte uns in den Augen der echten Künstler nur kompromittieren

Es ist wahr, dass ich Partisan Review den Rat gegeben habe, eine „eklektische" Haltung in künstlerischen Angelegenheiten einzunehmen. Aber Partisan Review ist nicht die Zeitschrift einer künstlerischen Schule. Es ist eine marxistische Zeitschrift für Fragen der Literatur, Kunst, etc.

1In der englischen Übersetzung: „zu tun, wie er wünscht“

2In der englischen Übersetzung: „uns in … einzumischen“

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