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Leo Trotzki 19380521 Brief an die SWP

Leo Trotzki: Brief an die SWP

(21. Mai 1938)

[eigene Übersetzung nach der französischen Übersetzung in Léon Trotsky, Œuvres 17, mars 1938 a juin 1938. Institut Léon Trotsky, Paris 1984, S. 242-244, dort unter dem Titel „Une Leçon pour les journalistes“, Eine Lektion für die Journalisten]

Liebe Freunde,

Dieses Mal möchte ich einigen amerikanischen Journalisten in der Person von Herrn Alvin M. Josephy eine Lektion erteilen, der durch falsche Angaben einen Artikel von mir erhielt und ihn im Interesse der Stalinisten und, wie ich es vermute, [gegen Bezahlung] aus ihrer Brieftasche verfälschte. Ich habe zu Ihrer Verfügung alle rechtlichen Beweise, weil ich den Mann eine Kopie meiner Antworten und die Verpflichtung unterschreiben ließ, in der ich ihn verpflichtet habe, sie vollständig zu veröffentlichen oder gar nicht zu veröffentlichen.

Was sind die falschen Angaben und Fälschungen?

1) Josephy stellte sich als Vertreter der New York Herald Tribune vor. Angesichts der Wichtigkeit dieser Zeitung habe ich zugestimmt, ihm ein schriftliches Interview zu geben, für das ich einen ganzen Tag mit meinen Mitarbeitern gearbeitet habe. Aber Josephy hat das Interview nicht in der Herald Tribune veröffentlicht, sondern in dem halbstalinistischen Ken, der für mich nicht das geringste Interesse bietet. Ich hätte Ken nie ein Interview gegeben. So hat sich Herr Josephy mir mit falschen Angaben vorgestellt.

2) Angesichts der politischen Bedeutung der schriftlichen Fragen gab ich schriftliche Antworten, und verpflichtete durch meine Mitarbeiterin Rae Spiegel Herrn Josephy, die Verpflichtung zur Veröffentlichung des vollständigen Textes zu unterschreiben: „Die authentischen Antworten müssen in ihrer Gesamtheit und genau so veröffentlicht werden, wie sie geschrieben wurden. Ansonsten müssen sie mir zurückgesandt werden. (Unterschrieben) Leo Trotzki. Kopie gebilligt von A. M. Josephy.“ Trotzdem hat Josephy in meine Antworten viele Veränderungen und Auslassungen eingefügt. Die beigefügte Kopie mit Anmerkungen mit Rotstift zeigt all diese Verzerrungen des Textes. Diese Verzerrungen sind von den spezifischen politischen Zielen des Stalinismus diktiert, soweit es sich um die Politik Hitlers und Mussolinis einerseits und die Ursachen der Niederlage der spanischen Revolution andererseits handelt. Diese beiden Fragen bildeten die Grundlage für die giftigen Angriffe der Stalinisten gegen meine politische Linie, und Herr Josephy verfälschte, trotz seiner unterzeichneten Verpflichtung, bewusst den Text meiner Antworten und fügte ihnen eine feindselige Bemerkung bei, die unmöglich gewesen wäre, hätte er meine Antworten an ihn1 nicht verzerrt.

3) Als ob er sich selbst seinen schlechten Willen beweisen wollte, sagt Herr Josephy: „Er (Trotzki) und Rivera sprechen nicht mehr mit einander, obwohl einer der Gastgeber des anderen ist." Der Grund, den er angibt, liegt im Egozentrismus der beiden Männer und so weiter. Die ganze Geschichte ist eine reine Erfindung. Wir hatten nicht den kleinsten Konflikt mit Diego Rivera. Wir sind und waren die ganze Zeit durch engste persönliche und politische Freundschaft ohne Schatten verbunden.

4) Die anderen verleumderischen Fälschungen sind weniger wichtig, aber jede von ihnen hat das gleiche Ziel wie die Verzerrung des Originaltextes meiner Antworten auf seine Fragen. Dies kann mit allen notwendigen Details gezeigt werden.

5) Schlussfolgerung: Herr Josephy hat einen Akt bewusster und vorsätzlicher Verfälschung und Verleumdung für die politischen Ziele der Stalinisten begangen. Das Verbrechen ist um so verwerflicher, als er sich verpflichtet hat, meine Antworten vollständig wiederzugeben, und er selbst meine Stellung in Sachen Interviews wie folgt definiert: „An die Wand gedrängt von den Anhängern Stalins sind seine einzige Möglichkeit, sich zu verteidigen, Interviews und die korrekte Wiedergabe dieser Interviews in der internationalen Presse.“ Angesichts dieser Tatsache halte ich es für absolut notwendig, eine Klage gegen Herrn Josephy einzureichen. Die Bedingungen erscheinen mir nicht nur günstig, sondern ideal. Die Höhe des Schadens, der gegenüber Herrn Josephy geltend gemacht werden kann, kann nach Ihrer grundsätzlichen Zustimmung festgestellt werden. Sie können den Betrag selbst festlegen, um keine Zeit zu verschwenden.

1Im französischen Text: „an mich”, was aber keinen Sinn ergibt

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