Leo Trotzki: Brief an André Breton (31. August 1938) [Eigene Übersetzung nach dem französischen Text, dort unter dem Titel „Il ne faut pas chuchoter“, Man darf nicht flüstern] Werter Genosse Breton, Wir haben gerade Ihren Brief aus Portugal erhalten (es ist der erste Brief aus Portugal, den ich, glaube ich, in meinem Leben erhalten habe) und die kleine Notiz von Jacqueline. Wir haben uns sehr gefreut, von Ihnen beiden zu hören. Ich bin aufrichtig berührt von dem freundlichen und herzlichen Ton Ihres Briefes, lieber Freund, und, ich muss sagen, ein wenig verlegen. Ihr Lob scheint mir, in aller Aufrichtigkeit, so übertrieben, dass ich mir ein wenig Sorgen um die Zukunft unserer Beziehung mache. Was die Gefahr betrifft, durch das Lob von Freunden verdorben zu werden, so bin ich, dem Himmel sei Dank, gut geschützt durch die viel zahlreicheren Beleidigungen meiner Feinde. Was das Manifest betrifft, so scheint es hier in Mexiko sehr langsam zu gehen. Der Grund dafür ist, dass es bis zu diesem Moment niemanden gibt, der sich praktisch darum kümmert. In den Vereinigten Staaten scheinen die Dinge viel besser zu laufen. Ich schicke Ihnen eine Kopie des Briefes, das ich zu diesem Thema von Dwight Macdonald erhalten habe. Ich schicke Ihnen eine Kopie meiner gesamten Korrespondenz mit Partisan Review, die für Sie und Ihre Mitarbeiter für Ihr Zeitschriftenprojekt von Interesse sein könnte. Die Redaktion von Partisan Review hat eine beachtliche Entwicklung auf uns zu gemacht. Dwight Macdonald schreibt sogar systematisch in New International. Aber ihre eigene Zeitschrift bleibt zu neutral, zu farblos, zu kontemplativ auf der politischen Ebene. Des ist in unseren Augen der Grund, warum sie gezwungen waren, die monatliche durch die vierteljährliche Zeitschrift zu ersetzen. Es gibt in meinen Augen eine große Lehre, die man aus dieser Tatsache ziehen kann. Wenn man in der heutigen Zeit gehört werden will, muss man mit lauter Stimme sprechen und nicht flüstern. Ich hoffe, dass Sie einen Weg finden, mit unseren Freunden dort zusammenzuarbeiten, ohne die Waffen zu vermischen oder die Verantwortlichkeiten zu verwirren. Ich bin immer noch völlig in mein Buch vertieft und werde jeden Tag aufs Neue von der Lawine der offiziellen Fälschungen verblüfft. Hier geht das Leben mehr oder weniger regelmäßig weiter. Natalia hatte die Gelegenheit, mit Freunden aus Chicago nach Acapulco zu gehen. Van wird Ihnen selbst von seiner Reise in die Tropen erzählen. Man arbeitet jeden Tag im Garten. Man wartet auf Neuigkeiten von der internationalen Konferenz. Und das war's dann auch schon. Wir hoffen, dass Sie und Jacqueline Ihr kleines Mädchen blühend vorgefunden haben. Küssen Sie die liebe Jacqueline von uns. |
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