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Leo Trotzki 19380817 Brief an Alfred Rosmer

Leo Trotzki: Brief an Alfred Rosmer

(17. August 1938)

[Eigene Übersetzung nach dem französischen Text, dort unter dem Titel „La Question des archives“, Die Frage der Archive]

Werter Freund,

Ich habe Ihren Brief vom 8. August erhalten. Ja, die Situation ist nicht einfach, denn durch ihren Eigensinn und vielleicht auch durch einen schlechten Rat hat sich Jeanne in eine Sackgasse gebracht. Ich gab ihr eine neue Frist, damit sie aus eigener Initiative zurückkehren konnte. Aber wenn sie zum Zeitpunkt des Eintreffens dieses Schreibens Ihnen gegenüber noch keine Versöhnungsschritte unternommen hat, muss mein letzter Versuch als gescheitert betrachtet werden. Es wird nichts übrig bleiben als rigorose Maßnahmen.

Folgendes schlage ich vor:

1. Die Konferenz sollte die Angelegenheit über eine Sonderkommission selbst in die Hand nehmen. Da die Konferenz das oberste Organ für Leo war, kann sie für ihn sprechen. Die entsprechende (sic) Kommission sollte Jeanne kommen lassen und sie mündlich und schriftlich darüber informieren, dass es sich nur um meine Papiere handelt; dass diese Papiere in die Verantwortung der Organisation fallen, die Jeanne verlassen hat; dass ich und damit auch die Kommission im Besitz von Briefen von Leo und Jeanne selbst sind, die zweifellos beweisen, dass die Papiere meine sind; dass ich folglich das volle Recht habe, über diese Papiere ohne Rücksprache mit jemandem zu verfügen; dass ich nicht möchte, dass jemand, außer Ihnen und den anderen Mitgliedern Ihrer Kommission, den letztlichen Bestimmungsort dieser Papiere kennt; dass Leo nur den Wunsch hatte, die Übernahme meiner eigenen Papiere zu erleichtern; dass Jeanne daher, wenn sie des Vertrauens, das Leo ihr entgegengebracht hatte, würdig sein will, nur den Anweisungen folgen muss, die ich ihr gegeben habe. Ich glaube, wenn die Internationale Kommission im Wesen fest und in der Form geschickt ist, könnte sie für Jeanne eine Brücke für einen ehrenvollen Rückzug schaffen.

2. Wenn Jeanne auf dem Hinweis beharrt, dass sie nichts mit der Konferenz (oder mit dem IS) zu tun habe, wird ihr ein Schiedsverfahren unter der Bedingung angeboten, dass der Schiedsrichter eine Person ist, die das Vertrauen von Leo hatte, da es um die Auslegung seines Willens geht.

3. Wenn sie auch dieses Verfahren nicht akzeptiert (es muss eine sehr kurze Frist von drei oder vier Tagen eingeräumt werden), sollte dies auf dem Rechtsweg erfolgen. So stelle ich mir das Verfahren vor. Unser Freund Gérard, dem ich eine Kopie dieses Schreibens schicke, wird so gut wie möglich beurteilen, ob dieses Verfahren machbar ist. Gérard wendet sich an die zuständigen Behörden, um sie um seine (sic) Meinung zu bitten, nicht mit einer Beschwerde gegen Jeanne (es wäre ein sehr sinnloser Skandal), sondern nur, um den gordischen Knoten zu durchschneiden. Gérard schreibt insbesondere: „Leo Sedow wollte über seine Lebensgefährtin seinem Vater die Unterlagen so einfach und schnell wie möglich zukommen lassen. Aber es stellt sich heraus, dass das Testament in seiner jetzigen Form nicht die notwendige Rechtskraft hat; es bleibt nur, dass Trotzki seine Rechte direkt geltend macht. Dass es seine Papiere sind, kann man an vielen Briefen erkennen. Außerdem ist Jeanne weit davon entfernt, es zu bestreiten, etc.“

Entschuldigung, lieber Freund, für diesen Ärger, aber was kann ich tun? Das sind aus jeder Sicht wirklich unnötige Komplikationen.

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