Leo Trotzki: Einige Wörter zur französischen Ausgabe [eigene Übersetzung des russischen Textes, verglichen mit der englischen Übersetzung, dort unter dem Titel „French and the Revolution“, „Französisch und die Revolution“] Die komplizierte und unvollkommene Architektur dieses Buches spiegelt sein Schicksal wider: das Buch kam aus dem Kampf für ein bestimmtes Verständnis der inneren Dialektik des revolutionären Prozesses zur Welt und wurde im Verlauf dieses Kampfes ergänzt. Ein Leser, welcher sich nur für die äußere Dramatik der Revolution interessiert, würde besser daran tun, wenn er dieses Buch beiseite legte. Für wen aber die Revolution nicht nur eine grandiose Vorstellung, sondern auch ein objektiv bestimmter Zustand sozialer Krise ist, der seinem inneren Gesetzen unterworfen ist, für den mag es nicht ohne Nutzen sein, die hier seiner Aufmerksamkeit angebotenen Seiten zu lesen. Mit der Herausgabe dieser Arbeit in französischer Sprache finde ich mich im Voraus mit Anschuldigungen von Dogmatismus, Kasuistik, Vorliebe zur Exegese alter Texte und, hauptsächlich, eines Mangels an „Klarheit“ ab. Leider zeigt sich im Abscheu vor der materialistischen Dialektik, die so üblich in „linken“ Kreisen Frankreichs ist, nicht ausgeschlossen selbstverständlich auch ihre sozialistischen Reihen, nur der Konservativismus des offiziellen französischen Denkens, welcher seine tiefen Wurzeln in der Geschichte der französischen bürgerlichen Gesellschaft hat. Aber wir zweifeln nicht, dass die Dialektik des historischen Prozesses mit der Ideenfertigkeit der französischen Bourgeoisie wie auch mit der Bourgeoisie selbst fertig werden wird. Sogar die in ihrer Vollkommenheit wunderschöne französische Sprache, an deren Schleifen ein solch scharfes Instrument wie die Guillotine nicht den letzten Platz einnahm, wird kraft der historischen Dialektik erneut in einen großer Tiegel geworfen und bei den höchsten Temperaturen umgeschmolzen; ohne etwas von ihrer logischen Vollkommenheit zu verlieren, wird sie dabei große dialektische Geschmeidigkeit erlangen. In der Revolution der Sprache wird sich nur die neue Revolution im Reich der Ideen ausdrücken, welche ihrerseits unzertrennlich von der Revolution im Reich der Dinge ist. Ein bedeutender Teil dieses Buches ist mit Russland verbunden, mit dem derzeitigen und vergangenen Ideenkampf in seinen revolutionären Reihen. Der Lauf der Ereignisse hat diese Streitereien auf internationale Höhen gehoben. Darin und nur darin liegt die Rechtfertigung des Erscheinens dieser theoretisch-polemischen Arbeit in französischer Sprache. Im Anhang geben wir drei Abrisse, von welchen einer einem französischen Roman über die chinesische Revolution gewidmet ist, aber die beiden anderen der Analyse der sich vor unseren Augen entrollendеn spanischen Revolution. Trotz der Unterschiede der Länder und Epochen vereinigt ein und dasselbe Thema – die „permanente Revolution“ – die Teile dieses Buches zu einem Ganzen, trotz seiner himmelschreienden Defekte, welche dem Autor klarer als jedem anderen sind. Ein Leser, welcher in Unschlüssigkeit vor diesem oder jenem polemischen Kapitel oder vor mit Zitaten überladenen Exkursen in die historische Vergangenheit des russischen marxistischen Denkens zögert und sich die legitime Frage stellt: was soll das für mich? – verfährt richtig, wenn er die Lektüre unterbricht und sich zu den China und Spanien gewidmeten Schlussseiten hinwendet. Vielleicht werden ihm danach die Kapitel, welche ihm zuerst „doktrinär“ und „kasuistisch“ schienen, in weniger abstoßendem Licht vor die Augen treten. Der Autor würde zumindest darauf hoffen. L. Trotzki. 9. Juni 1931, Kadiköy. |
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