Leo Trotzki: Zur Hilfe für die Bolschewiki-Leninisten (Brief aus Moskau) [Eigene Übersetzung nach dem russischen Text, verglichen mit der englischen und französischen Übersetzung] Es ist notwendig, eine systematische, nicht eine Minute erschlaffende Kampagne zum Kampf für die Verbesserung der Lage der verbannten und arretierten Bolschewiki-Leninisten zu führen. Jetzt übertrifft die Zahl der Letzteren über zweitausend Menschen. In den Gefängnissen geht es ihnen hässlich: ohne Licht (die Schilde an den Fenstern sind fast geschlossen), feuchte Zellen, in die sie die Häftlinge stecken, mit denen die Zellen bis an die Grenzen überlastet sind, schlechtes Essen, extrem grobe Behandlung. Noch schlimmer ist es im Zuchthaus Tobolsk (Politisolator). Es ist das gleiche wie bei Dostojewski („Totenhaus"). In ihm sitzen nur Bolschewiki-Leninisten ein – die Menschewiki und Sozialrevolutionäre haben sie freigelassen. Im Gefängnis wurde eine militärische Wache eingesetzt. Die Zellen sind verschlossen, Zusammenkünfte werden nicht erlaubt. Die Menschewiki hatten einen gemeinsamen Tisch, eine gemeinsame Küche, freie Zusammenkünfte, etc. All dies wird unseren Genossen vorenthalten. Es ist ohne Zweifel, dass die Behörden Kurs auf die physische Vernichtung der Bolschewiki-Leninisten genommen haben. Die Beziehungen sind extrem angespannt. Man kann jede Minute nicht nur Zusammenstöße und Hungerstreiks (die nicht aufhören) erwarten, sondern auch, ja, ja, Erschießungen. 15 Personen aus dem Gefängnispersonal des Tobolsker Isolators weigerten sich, Repressionen gegen die Bolschewiki anzuwenden, sie wurden durch eine speziell aus Moskau gesandte Wache ersetzt. Die Not der Familien der Verhafteten ist enorm, direkt monströs. Die Familien der Verhafteten und Verbannten, die auf freiem Fuß blieben, sind in äußerster Not und verhungern buchstäblich. Wir haben keine eigene Internationale Rote Hilfe. Auf der Grundlage dieser Not ist es möglich, dass die weniger Widerstandsfähigen abfallen.1 Man muss im Ausland Geld sammeln. Man muss die Erlaubnis für eine eigene legale Internationale Rote Hilfe erhalten. Man muss dazu, wie zu allen anderen Hässlichkeiten, eine laute Stimme erheben. Man muss die gegenwärtigen Führer der Sowjetmacht und der Parteileitung an den Schandpfahl nageln, die die Verantwortung für diese Verbrechen tragen. Korrespondenzen aus Tomsk, Swerdlowsk, informieren über ganze Mengen Verfolgter im Zuchthaus Narym, wohin die Oppositionellen verschärft geschickt werden, die aus verschiedenen Orten entfernen werden. Unter den Verbannten und Eingesperrten sind Helden der Oktoberrevolution und des Bürgerkriegs mit den Orden des Roten Banners (Greitzer, Gajewski, Kawtaradse, Jenukidse und viele andere). Zu den Gefangenen im Zuchthaus gehört Budu Mdiwani, ein alter Bolschewik, der unter allen Regimen2 inhaftiert war, der ehemalige Vorsitzende der Rats der Volkskommissare von Georgien3 und Handelsvertreter in Paris, 53 Jahre alt. G. G. Moskau, 20. März 1919. 1In der englischen und französischen Übersetzung fehlt der Satz 2In der englischen und französischen Übersetzung: „unter dem Zaren“ 3In der englischen und französischen Übersetzung eingefügt: „unter Lenin“ |
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