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Leo Trotzki 19290600 Vorwort zur spanischen Ausgabe des Buches „Was passierte in Spanien"

Leo Trotzki: Vorwort zur spanischen Ausgabe des Buches

„Was passierte in Spanien"

[Eigene Übersetzung nach dem russischen Text, verglichen mit der englischen Übersetzung]

Dieses Büchlein entstand infolge des Zufalls. Eine Reise nach Spanien hatte ich Ende 1916 überhaupt nicht vorgesehen. Noch weniger hatte ich für mich eine Inspektion des Madrider Mustergefängnisses von innen geplant. Der Name Cadiz klang für mich fast exotisch. Ich verband ihn mit Arabern, Meer und Palmen. Ich habe mich nie gefragt – bis zum Herbst 1916 –, ob es im schönen südlichen Cadiz eine Polizei gebe. Und dennoch musste ich mehrere Wochen unter ihrer Aufsicht verbringen. In dieser Episode war alles zufällig für mich und schien manchmal wie ein lustiger Traum. Dennoch war es weder eine Fantasie noch ein Traum. Träume hinterlassen keine Fingerabdrücke. Indessen kann man in der Kanzlei des Madrider Mustergefängnisses die Abdrücke aller Finger meiner rechten und linken Hand finden. Mehr Beweise für die Realität des Seins kann kein Philosoph liefern.

Im Gefängnis von Madrid, im Waggon, im Gasthaus in Cadiz habe ich – ohne bestimmten Zweck – meine flüchtigen Eindrücke skizziert. Meine Notizbüchlein machten dann zusammen mit mir den Weg über den Ozean mit, blieben in meinem Gepäck in jenen Wochen, in denen ich die Gastfreundschaft des britischen Königs in einem Konzentrationslager in Kanada genoss, und kehrten mit mir über den Ozean und über die skandinavische Halbinsel nach Petrograd zurück. Im Wirbelsturm der Revolution und des Bürgerkriegs vergaß ich ihre Existenz. 19241 erwähnte ich zufällig meine spanischen Eindrücke und Aufzeichnungen in einem Gespräch mit meinem Freund Woronski. Da er die beste literarische Monatszeitschrift der Sowjetrepublik redigierte, nutzte er sofort, mit der Energie des geborenen Redakteurs2, meinen Fehler und ließ mich erst gehen, nachdem ich mich feierlich verpflichtet hatte, meine Notizbücher zu finden, sie abschreiben zu lassen und meine Notizen in eine gewisse Ordnung zu bringen. So ist dieses Büchlein entstanden. Ein anderer meiner Freunde, Andreu Nin, beschloss, es in die spanische Sprache zu übersetzen. Ich hatte große Zweifel an der Zweckmäßigkeit dieses Unternehmens. Aber Nin zeigte Ausdauer. Die Verantwortung für das Erscheinen dieses Buches in der spanischen Ausgabe liegt daher bei ihm.

Meine eigenen Kenntnisse der spanischen Sprache sind sehr schwach geblieben: Die spanische Regierung erlaubte mir nicht, meine Kenntnisse der Sprache von Cervantes zu verbessern. Schon dies allein bestimmt den sehr flüchtigen und unvermeidlich oberflächlichen Charakter meiner Beobachtungen. Es wäre eine hoffnungslose Sache, in diesem Büchlein nach einem breiten Bild des politischen, kulturellen oder wenigstens alltäglichen Lebens in Spanien zu suchen. Aus dem Vorherigen kann man sehen, wie weit der Autor von solchen Ansprüchen entfernt ist. Ich lebte nicht in Spanien als Forscher oder Beobachter oder auch nur als freier Tourist. Ich betrat es als aus Frankreich Ausgewiesener und lebte dort als Madrider Gefangener und als in Cadiz Überwachter, der darauf wartete, wieder ausgewiesen zu werden. Das beschränkte den Umfang meiner Beobachtungen mit einer engen Linie. Dies prägte auch meinen Zugang zu den Aspekten des spanischen Lebens, denen ich begegnete. Ohne eine gute Prise Ironie wäre die Kette meiner spanischen Abenteuer eine sehr unverdauliche Speise für mich gewesen. Der Ton des Büchleins gibt mit all seiner Unmittelbarkeit die Gefühle wider, mit denen ich von Irun – San Sabastian – Madrid nach Cadiz und von dort wieder über Madrid nach Barcelona gereist bin, um dann, von der europäischen Küste ablegend, auf der anderen Seite des Atlantiks zu landen.

Nun, wenn dieses Büchlein einen spanischen Leser interessieren und ihn in die Psychologie eines russischen Revolutionärs einführen mag, werde ich die Arbeit nicht bedauern, die mein Freund Nin bei der Übersetzung dieser flüchtigen und bescheidenen Seiten verbracht hat.

L. Trotzki

Konstantinopel, Juni 1929


1In der englischen Übersetzung: „1925“

2In der englischen Übersetzung: „mit dem ihm angeborenen journalistischen Talent“

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