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Leo Trotzki 19290703 Mann über Bord

Leo Trotzki: Mann über Bord

3. Juli 1929

[Eigene Übersetzung nach der englischen Übersetzung]

Genosse Souvarine,

Ihr langer Brief, oder besser gesagt Ihr Pamphlet, gibt mir einige notwendige Informationen. Ich sehe nicht, dass von den Bindungen, die uns vor einigen Jahren vereint haben, etwas übrig geblieben ist. Wenn ich Ihnen mit diesem Brief antworte, dann nicht aus Ehrfurcht vor der Vergangenheit, sondern aus der politischen Notwendigkeit heraus, zu erklären, dass unsere Zukunft unvereinbar entgegengesetzt ist.

Ich finde in Ihrem Brief kaum eine einzige Idee, die richtig ist und auf der marxistischen Lehre und den großen Ereignissen der Geschichte beruht. Ich kann dem Eindruck nicht entgehen, dass es die Feder eines unzufriedenen Journalisten ist, die Sie anleitet und Ihre Paradoxien aufwirft. Letztere sind im Übrigen nicht neu. Ich könnte viele Fälle anführen, in denen eine Desertion von der Revolution in analoge Formulierungen gekleidet wurde, vielleicht ohne solches journalistisches Geschick oder eine solche belesene Kultur.

Ich habe weder die Möglichkeit noch den Wunsch, die komplizierten Fäden Ihrer Paradoxien und Sophismen zu analysieren. Ich möchte nur ein Beispiel nennen, das dennoch ausreichend ist, denn es geht um die wichtigste Frage.

Sie behandeln die Partei und die Internationale, einschließlich der Opposition, wie einen Leichnam. Ihrer Meinung nach besteht der große Fehler der russischen Opposition darin, dass sie darauf beharrt, die Partei zu beeinflussen und sogar wieder in sie integriert zu werden. Auf der anderen Seite charakterisieren Sie die sowjetische Wirtschaft als Staatskapitalismus, als einen großen Schritt nach vorne, und Sie fordern, dass die Opposition in den Dienst dieses Staatskapitalismus trete, anstatt sich um die Partei zu sorgen.

Sie geben damit ein Beispiel für eine Analyse, die aus Wörtern, nicht aus Ideen entspringt, nur um am Ende Wörter ohne Inhalt zu erhalten.

Staatskapitalismus – ich benutze Ihre Formulierung – das heißt, verstaatlichte Industrie und Transport, behalten ihren „Staats"charakter nur durch die Partei. Der Staatsapparat und der Apparat der Trusts selbst sind zentrifugaler Tendenzen schuldig. Es wäre nicht übertrieben, wenn ich sagen würde, dass neun Zehntel der Elemente, die den Wirtschaftsapparat ausmachen, recht glücklich wären, die Trusts in Unternehmen zu verwandeln, die mehr oder weniger unabhängig vom Staat sind, um sie in einer zweiten Etappe in Privatunternehmen umzuwandeln.

Andererseits sind die Gewerkschaften, wenn sie nicht mit der Partei verbunden sind, insgesamt bereit und geneigt, einen Gewerkschaftskampf ohne Rücksicht auf den Staat und den Fünfjahresplan zu führen. Es würde niemandem in den Sinn kommen, der sich mit Realitäten, nicht mit oberflächlichem Journalismus befasst, der Sowjetwirtschaft zu dienen, indem er die Partei ignoriert, und außerhalb der Maße der Partei oder einer Fraktion. Der „Staats"kapitalismus lebt und stirbt mit der Partei. Nebenbei ist der beste Beweis davon, dass die sowjetische Wirtschaft jeden Tag den Einfluss der Opposition erlebt, der durch den stalinistischen Apparat gebrochen und verzerrt wird.

Ihre Idee, dass man der Sache des Proletariats außerhalb der Partei dienen könne, ist nicht einmal reif genug, um als syndikalistisch bezeichnet zu werden. In diesem Stadium bedeutet sie nur die Desertion von der marxistischen Organisation. Während der Konterrevolution in Russland und auf dem Höhepunkt des imperialistischen Krieges hörten wir oft diese Vorstellung, die Krönung Ihres Briefes: „Wir müssen still sein und warten." Das bedeutet immer, dass jemand dabei ist, die Seite zu wechseln.

Ich bin sicher, dass Sie morgen nicht schweigen werden. Sie werden auf die andere Seite der Barrikaden übergehen. Theoretisch sind Sie schon dort.

Wir stellen fest: Mann über Bord und leiten zum nächsten Punkt der Tagesordnung über.

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