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Leo Trotzki 19291021 Die grundlegenden Irrtümer des Syndikalismus

Leo Trotzki: Die grundlegenden Irrtümer des Syndikalismus

Eine Hilfe für die Diskussion mit Monatte und seinen Freunden

[Nach Marxismus und Gewerkschaft. Essen 1976, S. 49-57]

Als ich im Oktober 1914 in Frankreich eintraf, fand ich die französische sozialistische und Gewerkschaftsbewegung in einem Zustand tiefster chauvinistischer Demoralisierung vor. Mit der Lupe auf der Suche nach Revolutionären, machte ich die Bekanntschaft von Monatte und Rosmer. Sie hatten sich nicht dem Chauvinismus unterworfen. So begann unsere Freundschaft.

Monatte betrachtete sich selbst als Anarcho-Syndikalisten; trotzdem stand er mir unendlich viel näher als die französischen Guesdisten, die eine jämmerliche und schändliche Rolle spielten. Zu der Zeit begannen sich die Cachins mit den Boteneingängen der Ministerien der Dritten Republik und der Alliierten Botschaften vertraut zu machen. 1915 verließ Monatte das Zentralkomitee der CGT und schlug die Tür hinter sich zu. Sein Austritt aus der Gewerkschaft war seinem Wesen nach eine Spaltung. Denn damals glaubte Monatte – sehr zu recht – dass die fundamentalen Aufgaben des Proletariats über der Einheit mit Chauvinisten und Lakaien des Imperialismus stünden. Damit war Monatte den besten Traditionen des revolutionären Syndikalismus treu.

Monatte war einer der ersten Freunde der Oktoberrevolution. Es ist wahr, im Gegensatz zu Rosmer hatte er sich lange Zeit herausgehalten. Es entsprach ganz dem Charakter Monattes, beiseite zu stehen, zu warten, zu kritisieren, wie ich mich später überzeugen konnte. Manchmal ist das absolut unvermeidlich. Aber als eine grundlegende Verhaltensweise verwandelt sie sich in Sektierertum, das eng mit dem Proudhonismus verwandt ist, aber nichts mit Marxismus gemeinsam hat.

Als die Sozialistische Partei Frankreichs die Kommunistische wurde, hatte ich häufig Gelegenheit, mit Lenin das lästige Erbe zu diskutieren, das die Internationale in Führern wie Cachin, Frossard und anderen Helden des ,Bunds für die Menschenrechte‘, der Freimaurer, Parlamentarier, Karrieristen und Schwätzer übernommen hatte. Eine dieser Unterhaltungen wenn ich mich nicht irre, habe ich sie in der Presse veröffentlicht – lautete folgendermaßen:

Es wäre gut“, sagte Lenin zu mir, „alle diese Wetterfahnen hinauszutreiben und die revolutionären Syndikalisten, die militanten Arbeiter, Leute, die der Sache der Arbeiterklasse wirklich ergeben sind, in die Partei hineinzuziehen … Und Monatte?“

Monatte wäre natürlich zehnmal besser als Cachin und solche Leute“, antwortete ich. „Aber er lehnt noch immer nicht nur den Parlamentarismus ab, sondern er hat bis auf den heutigen Tag nicht die Bedeutung der Partei verstanden.“

Lenin war erstaunt: „Unmöglich! Er hat auch nach der Oktoberrevolution die Bedeutung der Partei noch nicht verstanden? Das ist ein sehr gefährliches Symptom.“

Ich setzte die Korrespondenz mit Monatte fort und lud ihn dabei nach Moskau ein. Er wich aus. Seiner Natur treu, zog er auch in diesem Fall vor, sich abseits zu stellen und zu warten. Außerdem passte ihm die Kommunistische Partei nicht. Da hatte er ganz recht. Aber anstatt zu helfen, sie umzuwandeln, wartete er. Auf dem Vierten Kongress gelangen uns die ersten Schritte auf dem Weg, die Kommunistische Partei Frankreichs von Freimaurern, Pazifisten und Postenjägern zu säubern. Monatte trat in die Partei ein. Aber es ist nicht nötig, die Tatsache zu betonen, dass dies für uns nicht bedeutete, dass er einen marxistischen Standpunkt eingenommen habe; nicht im geringsten. Am 23. März 1923 schrieb ich in der ,Prawda‘: „Der Eintritt unseres alten Freundes Monatte in die Partei war ein großer Tag für uns; Männer seines Kalibers sind für die Revolution notwendig. Aber es wäre sicherlich falsch, für diese Annäherung den Preis der Verwirrung und des Mangels an Klarheit in den Vorstellungen zu bezahlen.“

In diesem Artikel kritisierte ich den Scholastizismus Louzons in der Frage der Beziehungen zwischen Klasse, Gewerkschaften und Partei. Im besonderen erklärte ich, dass der Vorkriegssyndikalismus ein Embryo der Kommunistischen Partei gewesen sei, dass dieser Embryo ein Kind geworden sei und dass, wenn dieses Kind an Masern und Rachitis leide, es nötig wäre, es zu nähren und zu heilen, aber dass es absurd wäre zu glauben, dass man es wieder in den Mutterleib zurückschaffen könne. Ich darf in diesem Zusammenhang vielleicht noch sagen, dass die Argumente meines Artikels von 1923 auch heute noch in karikierter Form die Hauptwaffen in den Händen von Monmousseau und der anderen anti-trotzkistischen Krieger gegen Monatte sind.

Monatte trat in die Partei ein; aber er hatte kaum Zeit, sich umzusehen und sich an ein Haus zu gewöhnen, das viel größer war als sein Laden am Quai de Jemappes, als schon der Staatsstreich über ihn hereinbrach: Lenin wurde krank, die Kampagne gegen den „Trotzkismus“ und die sinowjewistische „Bolschewisierung“ begann. Monatte konnte sich den Karrieristen nicht unterwerfen, die, indem sie sich auf den Generalstab der Epigonen in Moskau stützten und über unbegrenzte Mittel verfügten, mit Intrigen und Verleumdungen arbeiteten. Monatte wurde aus der Partei ausgeschlossen.

Diese Episode, zwar eine wichtige, aber immer noch eine Episode, war ein entscheidendes Moment in der politischen Entwicklung Monattes. Er entschied, dass seine kurze Erfahrung in der Partei seine anarcho-syndikalistischen Vorurteile gegen die Partei allgemein voll bestätigt hatte. Monatte begann dann beharrlich seinen Weg zurück, zu verlassenen Positionen zu suchen. Er begann wieder, die Charta von Amiens zu suchen. Für all das musste er sein Gesicht der Vergangenheit zuwenden. Die Erfahrung des Kriegs, der russischen Revolution und der weltweiten Gewerkschaftsbewegung gingen an ihm vorbei und hinterließen kaum eine Spur. Wieder einmal stand Monatte abseits und wartete. Worauf? Auf einen neuen Kongress von Amiens. Während der letzten Jahre war ich leider nicht in der Lage, die rückwärts gerichtete Evolution Monattes zu verfolgen: die russische Opposition lebte in einem abgeriegelten Kreis.

Aus dem gesamten Reichtum der Theorie und der Praxis des weltweiten Kampfs des Proletariats hat Monatte nur zwei Ideen herausgezogen: Gewerkschaftsautonomie und Gewerkschaftseinheit. Er hat diese beiden reinen Prinzipien über die sündige Realität erhoben. Die Grundlage seiner Zeitung und seines syndikalistischen Buchs ist die Gewerkschaftseinheit. Leider sind diese zwei Ideen hohl und ähneln dem Loch in einem Ring. Ob der Ring aus Eisen, Silber, oder Gold gemacht ist, interessiert Monatte nicht im geringsten. Denn der Ring behindert die Gewerkschaftsaktivitäten immer. Monatte ist nur an dem Loch der Autonomie interessiert. Nicht weniger herrscht das andere heilige Prinzip: Einheit. In ihrem Namen stellte er sich sogar gegen den Bruch des anglo-russischen Komitees, obwohl der Generalrat der englischen Gewerkschaften den Generalstreik verraten hatte. Die Tatsache, dass Stalin, Bucharin, Cachin, Monmousseau und andere den Block mit den Streikbrechern unterstützten, bis sie von ihnen hinausgeworfen wurden, verringert die Fehler Monattes nicht im Geringsten. Nach meiner Ankunft im Ausland machte ich einen Versuch, den Lesern von ,La Révolution Prolétarienne‘ den kriminellen Charakter dieses Blocks zu erklären, dessen Folgen von der Arbeiterbewegung immer noch zu spüren sind. Monatte wollte meinen Artikel nicht veröffentlichen. Wie hätte es auch anders sein können, da ich doch einen Angriff auf die geheiligte Gewerkschaftseinheit geführt hatte, die alle Fragen löst und alle Widersprüche miteinander versöhnt? …

Wenn sich Streikenden eine Gruppe von Streikbrechern in den Weg stellt, dann werfen sie diese hinaus, ohne mit Schlägen zu sparen. Wenn die Streikbrecher Gewerkschafter sind, dann schließen sie diese sofort aus, ohne sich über das geheiligte Prinzip der Gewerkschaftseinheit den Kopf zu zerbrechen. Dagegen hat Monatte sicherlich keine Einwände. Aber ganz anders verhält es sich, wenn es um die Gewerkschaftsbürokraten und ihre Führer geht. Der Generalrat setzt sich nicht aus hungernden und rückständigen Streikbrechern zusammen; nein, es sind wohlgenährte und erfahrene Verräter, die es in einem bestimmten Augenblick für notwendig halten, an der Spitze eines Generalstreiks zu stehen, um ihn um so schneller und sicherer köpfen zu können. Sie arbeiteten Hand in Hand mit der Regierung, den Bossen und den Kirchenfürsten. Man sollte meinen, dass die Führer der russischen Gewerkschaften, die in einem politischen Block mit dem Generalrat standen, sofort, offen und schonungslos vor den Massen, die er betrog und verriet, mit ihm hätten brechen sollen. Aber Monatte steht wütend auf: Es ist verboten, die Gewerkschaftseinheit zu stören. In einer erstaunlichen Weise vergisst er, dass er selbst 1915 diese Einheit brach, als er den chauvinistischen Generalrat der Confédération Générale du Travail verließ.

Es muss ganz offen gesagt werden: zwischen dem Monatte von 1915 und dem Monatte von 1929 liegt ein Abgrund. Monatte meint, dass er sich selbst völlig treu geblieben sei. Formal ist das bis zu einem gewissen Punkt auch richtig. Monatte wiederholt ein paar alte Formeln, aber er ignoriert völlig die Erfahrungen der letzten fünfzehn Jahre, die an Erfahrungen reicher waren als die gesamte vorherige Geschichte der Menschheit. Bei dem Versuch, zu seinen früheren Positionen zurückzukehren, bemerkt Monatte nicht, dass diese schon seit langer Zeit verschwunden sind. Gleichgültig, welche Frage aufgebracht wird, Monatte blickt nach hinten. Dies kann man vielleicht am klarsten in der Frage der Partei und des Staats sehen.

Vor einiger Zeit beschuldigte mich Monatte, die „Gefahren“ der Staatsmacht zu unterschätzen (,La Révolution Prolétarienne‘, Nr. 79, 1. Mai 1929, S. 2). Dieser Vorwurf ist nicht neu; er hat seinen Ursprung im Kampf Bakunins gegen Marx und zeigt eine falsche, widersprüchliche und im Wesen unproletarische Konzeption des Staats.

Mit der Ausnahme eines Landes befindet sich die Staatsmacht auf der ganzen Welt in den Händen der Bourgeoisie. Darin und nur darin liegt vom Standpunkt des Proletariats die Gefahr des Staats. Seine historische Aufgabe ist es, dieses mächtigste Instrument der Unterdrückung der Bourgeoisie aus den Händen zu ringen. Die Kommunisten leugnen nicht die Schwierigkeiten und die Gefahr, die mit der Diktatur des Proletariats verbunden sind.

Aber kann das um ein Jota die Notwendigkeit der Machteroberung verringern? Wenn das gesamte Proletariat durch eine unwiderstehliche Kraft zur Machteroberung vorwärts getragen würde, oder wenn es sie schon erobert hätte, dann könnte man, genau genommen, diese oder jene Warnung der Syndikalisten verstehen. Lenin warnte, wie bekannt, in seinem Testament vor dem Missbrauch der revolutionären Macht. Der Kampf gegen die Verzerrungen der Diktatur des Proletariats ist von der Opposition zeit ihres Bestehens geführt worden, ohne dass sie es nötig gehabt hätte, aus dem Arsenal des Anarchismus zu borgen.

Aber in den bürgerlichen Ländern liegt das Unglück in der Tatsache, dass die überwiegende Mehrheit des Proletariats die Gefahr des bürgerlichen Staats nicht so versteht, wie sie es sollte. Durch die Art und Weise, wie sie diese Frage behandeln, tragen die Syndikalisten, natürlich ohne ihre Absicht, zu dem passiven Ausgleich der Arbeiter mit dem kapitalistischen Staat bei. Wenn die Syndikalisten den durch die bürgerliche Macht unterdrückten Arbeitern ihre Warnung vor den Gefahren des proletarischen Staats vorsingen, dann spielen sie eine ausschließlich reaktionäre Rolle. Der Bourgeois wird das gerne für den Arbeiter wiederholen: „Rührt die Staatsmacht nicht an, weil das eine Falle voller Gefahren für euch ist.“ Die Kommunisten werden den Arbeitern sagen: „Die Schwierigkeiten und die Gefahren, mit denen das Proletariat am Tag nach der Machteroberung konfrontiert sein wird – wir werden lernen, sie auf der Grundlage von Erfahrungen zu überwinden. Aber gegenwärtig liegt die bedrohlichste Gefahr in der Tatsache, dass unser Klassenfeind die Schalthebel der Macht in der Hand hat und gegen uns richtet.“

In der heutigen Gesellschaft gibt es nur zwei Klassen, die fähig sind, die Macht in ihren Händen zu halten: die kapitalistische Bourgeoisie und das revolutionäre Proletariat. Das Kleinbürgertum hat schon vor langer Zeit die wirtschaftliche Fähigkeit verloren, die Geschichte der modernen Gesellschaft zu bestimmen. Ab und zu erhebt es sich in Situationen der Verzweiflung zur Eroberung der Macht, sogar mit der Waffe in der Hand, wie in Italien, in Polen und anderen Ländern. Aber die faschistischen Erhebungen haben nur ein Ergebnis: die neue Macht wird zu einem Instrument des Finanzkapitals in einer noch nackteren und brutaleren Form. Deswegen haben die meisten repräsentativen Ideologen des Kleinbürgertums Angst vor der Staatsmacht als solcher. Das Kleinbürgertum fürchtet die Macht, wenn sie in den Händen der großen Bourgeoisie ist, weil diese es erwürgt und ruiniert. Es fürchtet sie auch in der Hand des Proletariats, denn dieses untergräbt alle Bedingungen seiner gewohnten Existenz. Endlich fürchtet es die Macht auch, wenn sie in seine eigenen Hände fällt, weil sie dann unvermeidlich aus seinen unfähigen Händen in die des Finanzkapitals oder des Proletariats fällt. Das ist der Grund, warum Anarchisten nicht die revolutionären Probleme der Staatsmacht, ihre historische Rolle sehen, sondern nur die “Gefahren“. Die sich gegen den Staat wendenden Anarchisten sind konsequenterweise die logischsten und aus diesem Grund auch die hoffnungslosesten Vertreter des Kleinbürgertums in seiner Sackgasse.

Ja, die Gefahren der Staatsmacht bestehen auch unter dem Regime der Diktatur des Proletariats; aber das Wesen dieser Gefahren besteht in der Tatsache, dass die Macht in die Hände der Bourgeoisie zurückkehren könnte. Die bekannteste und offensichtlichste Gefahr des Staats ist der Bürokratismus. Aber was ist sein Wesen? Wenn die aufgeklärte Arbeiterbürokratie die Gesellschaft zum Sozialismus führen könnte, dann wären wir mit einer solchen Bürokratie versöhnt. Aber sie hat einen völlig entgegengesetzten Charakter: indem sie sich vom Proletariat abtrennt, sich über es erhebt, fällt die Bürokratie unter den Einfluss der kleinbürgerlichen Klassen und kann durch eben diese Tatsache die Rückkehr der Macht in die Hände der Bourgeoisie ermöglichen. Mit anderen Worten bestehen die Gefahren des Staates für die Arbeiter unter der Diktatur des Proletariats letztendlich in nichts anderem als der Gefahr der Wiederherstellung der Macht der Bourgeoisie.

Die Frage der Quelle der bürokratischen Gefahr ist nicht weniger wichtig. Es wäre völlig falsch zu denken, sich vorzustellen, dass der Bürokratismus ausschließlich aus der Tatsache der Eroberung der Macht durch die Arbeiterklasse entsteht. Nein, das ist nicht der Fall.

In den kapitalistischen Staaten kann man die monströsen Formen des Bürokratismus genau in den Gewerkschaften beobachten. Es genügt, nach Amerika, England und Deutschland zu schauen. In Amsterdam ist die mächtigste internationale Organisation der Gewerkschaftsbürokratie. Ihr ist es zu verdanken, dass die ganze Struktur des Kapitalismus heute noch steht, vor allem in Europa, speziell in England. Gäbe es keine Bürokratie in den Gewerkschaften, dann würden die Polizei, die Armee, die Gerichte, die Lords, die Monarchie den proletarischen Massen als bemitleidenswerte und lächerliche Spielzeuge erscheinen. Die Bürokratie der Gewerkschaften ist das Rückgrat des britischen Imperialismus. Nur durch die Hilfe dieser Bürokratie besteht die Bourgeoisie, nicht nur in den Metropolen, sondern ebenso in Indien, Ägypten und den anderen Kolonien. Man müsste völlig blind sein, um den englischen Arbeitern zu sagen: „Seid auf der Hut vor der Eroberung der Macht und erinnert euch immer daran, dass eure Gewerkschaften das Heilmittel gegen die Gefahren des Staates sind.“ Der Marxist wird den englischen Arbeitern sagen: „Die Gewerkschaftsbürokratie ist das Hauptinstrument für eure Unterdrückung durch den bürgerlichen Staat. Die Macht muss der Bourgeoisie aus den Händen gerungen werden, und dafür muss ihr Hauptagent, die Gewerkschaftsbürokratie gestürzt werden.“ Nebenbei gesagt war besonders aus diesem Grund der Block Stalins mit den Streikbrechern so kriminell.

Am Beispiel Englands sieht man sehr klar, wie absurd es ist, Gewerkschaftsorganisation und Staat als zwei verschiedene Prinzipien abzulehnen. In England ruht der Staat mehr als sonst irgendwo auf dem Rücken der Arbeiterklasse, die die überwältigende Mehrheit der Bevölkerung ausmacht. Der Mechanismus funktioniert so, dass die Bürokratie direkt auf den Arbeitern ruht und der Staat indirekt durch die Vermittlung der Gewerkschaftsbürokratie.

Bisher haben wir die Labour Party noch nicht erwähnt, die in England, dem klassischen Land der Gewerkschaften, nur eine politische Umsetzung der selben Gewerkschaftsbürokratie ist. Dieselben Führer leiten die Gewerkschaften, verraten den Generalstreik, führen die Wahlkampagne und sitzen später in den Ministerien. Die Labour Party und die Gewerkschaften, das sind keine zwei Prinzipien, sie sind nur eine technische Arbeitsteilung. Zusammen sind sie die fundamentalen Stützen der Herrschaft der englischen Bourgeoisie. Die letztere kann nicht gestürzt werden, ohne die Labour-Bürokratie zu stürzen. Und das kann nicht durch die Gegenüberstellung der Gewerkschaften als solcher und des Staates als solchen, sondern durch die aktive Opposition der kommunistischen Partei gegen die Labour-Bürokratie auf allen Gebieten des gesellschaftlichen Lebens erreicht werden. In den Gewerkschaften, bei Streiks, bei Wahlkampagnen, im Parlament und an der Macht. Die grundlegende Aufgabe einer wirklichen Partei des Proletariats besteht darin, sich an die Spitze der arbeitenden Massen, der in Gewerkschaften Organisierten und der Unorganisierten zu stellen, der Bourgeoisie die Macht zu entreißen und den Reden von den “Gefahren des Staates“ einen tödlichen Schlag zu versetzen.

Konstantinopel, Oktober 1929

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