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Wladimir I. Lenin 19051030 Gleichgewicht der Kräfte

Wladimir I. Lenin: Gleichgewicht der Kräfte1

[Geschrieben am 17./30. Oktober 1905 Zum ersten Mal veröffentlicht 1926 im „Leninski Sbornik", Nr. 5. Nach Sämtliche Werke, Band 8, S. 472 f.]

1. Das bisherige (17/.30. X., Montag) Ergebnis ist: Gleichgewicht der Kräfte, wie wir schon in Nr. 23 des Proletarij" gezeigt haben.

2. Der Zarismus hat nicht mehr die Kraft, die Revolution noch nicht die Kraft zum Siege.

3. Daher die ungeheuren Schwankungen. Furchtbares, gigantisches Anwachsen revolutionärer Erscheinungen (Streiks, Meetings, Barrikaden, Komitees der öffentlichen Sicherheit, vollständige Aufhebung der Macht der Regierung etc.) –

anderseits das Ausbleiben entschlossener Repressalien. Die Truppen schwanken.

4. Der Hof schwankt („Times" und „Daily Telegraph"): Diktatur oder Konstitution?

Der Hof schwankt und wartet ab. Das ist im Grunde eine richtige Taktik von seiner Seite: das Gleichgewicht der Kräfte zwingt zu warten, denn die Macht ist in ihren Händen.

Die Revolution hat einen Punkt erreicht, bei dem Angriff und Vorwärtsrücken für die Gegenrevolution unvorteilhaft sind.

Für uns, für das Proletariat, für die konsequenten, revolutionären Demokraten, ist das noch wenig. Wenn wir nicht noch eine Stufe höher steigen, wenn wir die Aufgabe der selbständigen Offensive nicht bewältigen, wenn wir die Kräfte des Zarismus nicht brechen, seine faktische Macht nicht zerstören, dann wird die Revolution nur eine halbe sein, dann wird die Bourgeoisie die Arbeiter prellen.

5. Ein Gerücht, als sei die Konstitution schon beschlossen. Wenn ja, dann berücksichtigt also der Zar die Lehren des Jahres 1848 und anderer Revolutionen: ohne die konstituierende Versammlung, vor der konstituierenden Versammlung, unter Umgehung der konstituierenden Versammlung eine Konstitution zu gewähren. Was für eine? Im besten (für den Zaren) Falle: eine Kadettenkonstitution.

Der Sinn dessen: Verwirklichung des Ideals der Konstitutionellen Demokraten, Überspringen der Revolution. Ein Betrug am Volke, denn vollständige und reale Wahlfreiheit wird doch nicht vorhanden sein.

Wird die Revolution diese gewährte Konstitution nicht überspringen?

1 Wie aus dem Artikel „Der erste Sieg der Revolution" hervorgeht, gelangte das Telegramm über das Manifest des Zaren am Montag den 17./30. Oktober 1905, spät abends, nach Genf. Der Plan des Artikels „Gleichgewicht der Kräfte" ist auch vom 30. Oktober datiert und wurde nur wenige Stunden vor der offiziellen Bestätigung der Nachricht vom Manifest geschrieben. Um so größeres Interesse beansprucht das, was Lenin über das Manifest sagt.

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