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Rosa Luxemburg 19161105 Gegen die Politik des Parteivorstandes

Rosa Luxemburg: Gegen die Politik des Parteivorstandes1

[Spartacus, Nr. 2 vom 5. November 1916. In: Spartakusbriefe, Berlin 1958, S. 260/261. Nach Gesammelte Werke, Band 4, S. 226 f.]

Das Verhalten des Parteivorstandes gegenüber der Redaktion des Zentralorgans, „Vorwärts"2; sein Gewaltstreich in Duisburg; seine Mitwirkung an den Parteiwirren im Frankfurter Agitationsbezirk und in Bremen3; der Versuch, die dem Parteivorstand missliebigen Mitglieder der Kontrollkommission hinauszudrängen4; die Parteinahme für den abgesetzten Kreisvorstand von Teltow-Beeskow; endlich der mit der preußischen Landeskommission ausgeführte Handstreich gegen die Berliner Genossen5 sowie das unerhörte Attentat gegen die Berliner Arbeiter, deren Organ er, entgegen dem Willen der Berliner Genossen, in den Dienst der imperialistischen Politik vom 4. August gestellt hat, alles dies hat bewiesen, dass der Parteivorstand nicht mehr als Organ des sozialdemokratischen Klassenkampfes funktioniert, sondern als ein Organ der Regierungspolitik, das die deutsche Arbeiterklasse vor den Wagen der imperialistischen Bourgeoisie zu spannen trachtet. Der Parteivorstand erweist sich damit als eine Gefahr für den Bestand der Organisation, die politische Macht und den sozialistischen Geist der Partei, eine Gefahr, deren systematische Bekämpfung dringende Pflicht aller Genossen ist, denen die Grundsätze des internationalen Sozialismus, die Zukunft der Arbeiterbewegung am Herzen liegen.

Die Verbands-Generalversammlung beauftragt den Großberliner Zentralvorstand, sich mit anderen Kreisen im Reich, die gleichfalls unter der zerrüttenden Politik des Parteivorstandes zu leiden haben, ins Einvernehmen zu setzen, um gemeinsam über organisatorische Abwehrmaßnahmen zur Rettung der Partei zu beraten.

1 Redaktionelle Überschrift. – Diese Resolution wurde von Rosa Luxemburg und anderen revolutionären Sozialdemokraten auf der Generalversammlung des Verbandes der sozialdemokratischen Wahlvereine Berlins und Umgegend am 29. Oktober 1916 eingebracht. Sie hatte bereits der Verbands-Generalversammlung am 25. Juni 1916 vorgelegen, war aber abgelehnt worden. (Siehe „Zur Richtigstellung“, 2. Juli 1916)

2 Siehe „Gegen den Gewaltstreich …“ (13. April 1916)

3 Siehe „Gegen den „Vorwärts“-Raub" (25. Juni 1916)

4 Siehe „Zur Richtigstellung“ (2. Juli 1916)

5 Siehe „Gegen den „Vorwärts“-Raub" (25. Juni 1916)

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