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Vorwärts 19010613 Der zweite Parteitag der Sozialdemokratischen Partei für die Provinz Posen

Vorwärts: Der zweite Parteitag der Sozialdemokratischen Partei

für die Provinz Posen

[Vorwärts (Berlin), 18. Jahrgang, Nr. 135 (Donnerstag, 13. Juni 1901), S. 2, Sp. 3, Rubrik „Parteinachrichten“, verglichen mit der Wiedergabe in Gesammelte Werke, Band 6, Berlin 2014, S. 327 f.]

tagte am Sonntag, den 9. Juni, in Bromberg. Anwesend waren 22 Delegierte. Den hauptsächlichsten Teil nahm die Besprechung über das Verhältnis zur „Polnisch-sozialistischen Partei“ in Anspruch. Nach einem Referat der Genossin Dr. Rosa Luxemburg über Agitation und Organisation, in dem die Täigkeit der „Polnisch-sozialistischen Partei“ abfällig kritisiert wurde, gelangte folgende Resolutiin einstimmig zur Annahme:

Angesichts der Erfolglosigkeit aller Bemühungen, die sich die polnischen und deutschen Genossen der Provinz Posen gegeben haben, um mit der Gruppe, genannt „Polnisch-Sozialistische Partei" (PPS), in Frieden und Eintracht auf sozialdemokratischem Boden zusammenzuarbeiten.

Angesichts ferner des ausgesprochen nationalistischen Charakters dieser Gruppe, der sie so weit geführt hat, bei der letzten Reichstagswahl im Kreise Posen den von polnischen und deutschen Genossen gemeinsam aufgestellten sozialdemokratischen Kandidaten in unerhörter Weise in ihrem Blatt wie in bürgerlichen gegnerischen Blättern zu bekämpfen und für den Kandidaten der polnisch-bürgerlichen Brotwucherer Stimmung zu machen.

Angesichts endlich der auf ihrem letzten Parteitag zu Pfingsten in Berlin von der PPS vollzogenen endgültigen Absonderung dieser Gruppe von der deutschen Sozialdemokratie, einer Absonderung, die völlig unmotiviert erscheint, weil die polnisch-sozialdemokratische Bewegung von der deutschen Sozialdemokratie von jeher materiell und moralisch in kräftigster Weise gefördert, zugleich administrativ gänzlich sich selbst überlassen, in der Verteidigung aber der berechtigten Interessen der polnischen Nationalität gegen das preußische Gemanisierungssystem nach Kräften unterstützt wurde, wie der betreffende Beschluss des Mainzer Parteitags beweist, da die erwähnte endgültige Absonderung der PPS von der deutschen Sozialdemokratie somit einzig und allein als ein Produkt des rein nationalistischen Standpunkts der Gruppe betrachtet werden muss, ebenso wie ihr Beschluss, in Wahlkreisen mit gemischter Bevölkerung nur Mitglieder der PPS als Kandidaten aufzustellen, in schließlicher Erwägung, dass die sogen. PPS nach zehnjähriger Tätigkeit in der ganzen Provinz Posen wie in Oberschlesien und Westfalen so gut wie gar nichts geleistet und es nur auf eine winzige Anhängergruppe unter den polnischen Auswanderern in den deutschen Städten gebracht hat, die sie zu verbohrten und verhetzten Nationalisten erzogen hat – erklärt der 2. Parteitag für die Provinz Posen:

Die PPS, nachdem sie das Tischtuch zwischen sich und der deutschen Sozialdemokratie zerschnitten hat, hört von nun an für die deutschen und polnischen Genossen der Provinz Posen auf, als sozialdemokratische Organisation zu existieren und wird wie jede andere mehr oder weniger in Sozialismus machende bürgerliche Gruppe betrachtet, so dass Mitglieder der PPS nicht zugleich in Parteiorganisationen aufgenommen werden können.

Zur einheitlichen und planmäßigen Leitung der mündlichen und schriftlichen Agitation unter der polnischen Bevölkerung des Deutschen Reichs wird ein in Posen domizilierender Zentralausschuss der polnischen Sozialdemokratie gewählt, der von nun an von dem Vorstande der deutschen Sozialdemokratie nach innen wie nach außen als die alleinige rechtmäßige Vertretung der polnischen Genossen zu betrachten ist und der, auf dem Boden des Erfurter Programms wirkend, in vollem Einverständnis mit der Agitationskommission für Posen wie mit derjenigen für Oberschlesien handelt.

Weiter wurde ein Organisationsstatut angenommen, nachdem u.a. die Provinz in drei Bezirke geteilt und der an die Agitationskommission abzuführende Beitrag auf 20 Proz. Der örtlichen Einnahmen festgesetzt wurde. Protestresolutionen gegen die Getreidezölle und gegen die Germanisationsmaßnahmen der preußischen Regierung wurden angenommen, ebenso ein Protest gegen die polizeilichen Lokalabtreibereien. –

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