Wladimir I. Lenin: Antrag zur Frage der Revision des Parteiprogramms 8. März (abends) [„Siebenter Parteitag der KPR(B) Stenographischer Bericht. 6.-8. März 1918. 1923. Nach Sämtliche Werke, Band 22, Zürich 1934, S. 397-399] Genossen, erlaubt mir, den Entwurf einer Resolution zu verlesen, die einen etwas anderen Antrag formuliert, der jedoch im wesentlichen dem ähnlich ist, was der vorhergehende Redner ausgeführt hat. Ich möchte der Aufmerksamkeit des Parteitages, folgende Resolution empfehlen (liest). Genossen, mit diesem Antrag möchte ich vor allem meinen Gedanken verteidigen, dass man die Herausgabe des Programms beschleunigen und direkt das ZK beauftragen soll, es herauszugeben oder eine besondere Kommission zu bilden. Das Tempo der Entwicklung ist ein so tolles, dass wir die Sache nicht aufschieben dürfen. Bei den Schwierigkeiten der jetzigen Zeit werden wir ein Programm bekommen, das viele Fehler enthalten wird, aber das ist kein Unglück. Der nächste Parteitag wird es korrigieren, obwohl das eine allzu rasche Korrektur des Programms sein dürfte. Aber das Leben schreitet so rasch vorwärts, dass wir, wenn es notwendig sein sollte, eine Reihe von Korrekturen am Programm vornehmen werden. Jetzt wird sich unser Programm nicht so sehr auf Büchern als viel mehr auf der Praxis, auf der Erfahrung der Sowjetmacht aufbauen. Deshalb glaube ich, dass es in unserem Interesse ist, sich an das internationale Proletariat nicht mit flammenden Aufrufen mit belehrenden Versammlungsreden, mit Befehlen zu wenden, sondern mit einem genauen, konkreten Programm unserer Partei. Mag auch das Programm weniger befriedigend ausfallen als ein Programm, das wir bei Bearbeitung in einigen Kommissionen, und Bestätigung durch den Parteitag bekommen hätten. Ich hoffe, dass wir diese Resolution einstimmig annehmen können, weil ich die Meinungsverschiedenheit umgangen habe auf die Genossen Bucharin hinweist. Ich habe sie so formuliert, dass die Frage offen bleibt. Wir können, wenn keine allzu großen Veränderungen vor sich gehen, darauf hoffen, dass wir imstande sein werden, ein neues Programm zu bekommen, das ein genaues Dokument für die Gesamtpartei sein wird. Und wir werden nicht mehr in eine so unangenehme Lage kommen, wie ich auf dem vorhergehenden Parteitag, als ein linker Schwede mich fragte: „Was für ein Programm hat Ihre Partei? Dasselbe wie die Menschewiki?"1 Ihr hättet sehen müssen, was für Augen dieser Schwede machte, der klar begriff, wie ungeheuer weit wir uns von den Menschewiki entfernt haben. Einen so ungeheuerlichen Widerspruch können wir nicht bestehen lassen. Ich glaube, dass das für die internationale Arbeiterbewegung von Nutzen sein wird, und das, was wir erreichen werden, wird zweifelsohne die Fehler im Programm bei weitem aufwiegen. Deshalb beantrage ich, die Sache zu beschleunigen. Wir brauchen nicht die geringste Angst davor zu haben, dass der Parteitag das Programm wird korrigieren müssen. 1 Offenbar ein Fehler. Auf dem VI. Parteitag war Lenin nicht anwesend. Gemeint ist wohl die Aprilkonferenz, wo zum ersten Mal die Frage der Änderung des Parteiprogramms aufgeworfen wurde, oder aber die Unterredung mit dem Führer der schwedischen linkssozialistischen Partei, Höglund, der im Februar/März 1918 nach Russland kam zu einer Beratung über die Vorbereitung der Organisierung der Kommunistischen Internationale. |