Der „radikale“ Kommunismus in England entstand, als eine bestimmte Strömung, lange vor der Gründung der Kommunistischen Partei Englands. Am charakteristischsten war für diese Bewegung die scharf ablehnende Stellung zur parlamentarischen Tätigkeit und zur Britischen Arbeiterpartei. Die bedeutendste Organisation der linken Strömung war die „Sozialistische Arbeiterpartei“ (Socialist Labour Party). Der Kern dieser Partei bestand aus linken Elementen, die 1903 die „Sozialdemokratische Föderation“ verlassen hatten, die sich unter der Führung von Hyndman zum Sozialpatriotismus entwickelte. Dieser Partei schlossen sich revolutionäre Arbeiter an, die während des imperialistischen Krieges, als die revolutionäre antimilitaristische Propaganda und Agitation dieser Partei den stärksten Einfluss auf die Arbeitermassen Englands ausübte, in die revolutionäre Bewegung hineingerissen worden waren. Als diese Partei an den Verhandlungen über den Zusammenschluss der linken Organisationen, die auf dem Boden des revolutionären Klassenkampfes und der Diktatur des Proletariats standen, teilnahm, stellte sie als unumgängliche Bedingung für den Zusammenschluss den Verzicht auf den Eintritt in die Arbeiterpartei. Da sie keine Unterstützung bei der Britischen Sozialistischen Partei fand, so lehnte sie die weiteren Verhandlungen ab und schloss einige angesehene Führer der Partei, W. Paul, A. Macmanus und Bell, die in dieser Frage zum Nachgeben bereit waren, aus der Partei aus. – Die zweite Organisation, die zum linken Flügel gehörte – die „Sozialistische Gesellschaft von Süd-Wales“ (South Wales Socialist Society) – bestand aus einer verhältnismäßig kleinen Gruppe von aktiven Arbeitern, Bergarbeitern aus Wales. Sie trug einen syndikalistischen Charakter. Die scharf ablehnende Haltung in Bezug auf die Teilnahme der revolutionären Parteien an der parlamentarischen Tätigkeit brachte diese Organisation der „Sozialistischen Arbeiterföderation“ nahe, die hauptsächlich aus Frauen bestand und mit Sylvia Pankhurst an der Spitze einen äußerst linken, antiparlamentarischen Standpunkt einnahm, der im Grunde genommen nur eine Teilerscheinung der Ablehnung der politischen Tätigkeit überhaupt war. Die „Sozialistische Arbeiterföderation“ erklärte ihren Beitritt zur Komintern und gab sich den Namen „Kommunistische Partei“; sie fuhr aber fort, ihre programmatischen und taktischen Auffassungen zu vertreten, und spielte in der Komintern die Rolle einer linken Gruppe. Einen größeren Einfluss unter den Arbeitern Schottlands hatte die Organisation der „Shop Stewards Committees“, die während des imperialistischen Krieges als Gegengewicht gegen die reformistischen Gewerkschaften organisiert wurden, die den Burgfrieden und den Verzicht auf Streikbewegungen propagierten. Die „Shop Stewards“ leiteten nicht nur die Streikbewegung in dieser Periode, sondern führten auch offen Propaganda gegen den Krieg. Nach der Oktoberrevolution in Russland, besonders in der Periode der Intervention und Blockade, entwickelten die „Shop Stewards“ eine energische Agitation zur Unterstützung Sowjetrusslands und forderten von der englischen Regierung die Anerkennung der Sowjetmacht und die Wiederaufnahme der Handelsbeziehungen. In England verteidigten die „Shop Stewards“ die Notwendigkeit des revolutionären Massenkampfes gegen den kapitalistischen Staat, für die Errichtung der Diktatur des Proletariats, Die „Shop Stewards“ lehnten die Teilnahme am bürgerlichen Parlament ab und führten gleichzeitig einen heftigen Kampf gegen die parlamentarische und außerparlamentarische Tätigkeit der Arbeiterpartei. Auf dem 2. Kongress der Kommunistischen Internationale traten die Vertreter der „Shop Stewards“ gegen den Eintritt in die Britische Arbeiterpartei auf. Die Rede Lenins über den Eintritt in die Britische Arbeiterpartei ist eine Auseinandersetzung mit diesem Standpunkt. Bei der Gründung der Kommunistischen Partei Englands (2.–3. August 1920), die in ihr Programm einen Punkt aufnahm über die Teilnahme an den Parlamentswahlen und den Eintritt in die Arbeiterpartei, blieben die oben erwähnten linken Organisationen außerhalb der Partei. Sie behielten ihre selbständige Existenz bis zur Einberufung des Kongresses der Kommunistischen Organisationen und Gruppen, der in Leeds am 29. und 30. Januar 1921 stattfand. Auf diesem Kongress schlossen sich die „Kommunistische Partei Englands“, die „Kommunistische Partei“ (die ehemalige „Sozialistische Arbeiterföderation“), die „Kommunistische Arbeiterpartei Schottlands“ (eine im September 1919 in Glasgow gegründete Organisation), die „Shop Stewards“ und eine Reihe von einzelnen kommunistischen Gruppen zur „Vereinigten Kommunistischen Partei Englands“ zusammen. Die „Sozialistische Arbeiterpartei“ (Socialist Labour Party) blieb auch diesmal außerhalb der Vereinigung. Die Spitzen dieser Organisation nahmen eine scharf ablehnende Stellung in der Frage des Eintritts in die Labour Party ein. Ein großer Teil der Ortsgruppen dieser Partei sprach sich für einen Zusammenschluss mit den Kommunisten aus. [Lenin, Sämtliche Werke, Band 25] |
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